la Bourreé, Ein also genannter, lang im Gebrauch gewesener, und aus lauter Floretten bestehender figurirter Tantz, welcher selb ander, und auch mit 4 und 8 Personen kan getantzet werden. Von diesem Tantz hat man hernach Anlaß zur Erfindung anderer Täntze, als Bourrée Dauphine, figurée en Caprioles &c. genommen. Er ist nebenst der Menuet und Courante der dritte Fundamental-Tantz, weil er die florettes als sonderbar zierliche pas in sich schliesset, leicht zu lernen und lustig zu tantzen. Diese Art Täntze oder musicalischer Stücke werden von einigen beschrieben, daß sie von zwey gleichen Theilen, ieder Theil von 8 Schlägen bestehen, der erste habe zwar nur 4 Schläge, aber man spiele ihn zweymal, die andere Helffte habe 8 Schläge, und werde wiederholet. Und ob ihn gleich einige aus Auvergne in Franckreich herholen wollen, so ist doch gewiß, daß er seinen Ursprung aus Biscaja, einer Provintz in Spanien habe. Herr Mattheson muthmasset, er sey einem Frauenzimmer zu gefallen also genennet worden, welches von feistem und niedlichem Leibe gewesen; Denn das Wort an ihm selbst bedeutet eigentlich etwas gefülltes, gestopftes, wohlgesetztes, starckes, wichtiges und doch dabey weiches oder zartes, das geschickter zum Schieben, Glitschen (pas gliffés) oder Gleiten ist, als zum Heben, Hüpfen und Springen. Hierzu veranlassen ihn die wircklichen Eigenschaften der Bourreen-Melodien, welche sind zufrieden, gefällig, unbekümmert, gelassen, nachläßig, gemächlich und doch artig. Die Bourrée hat ordentlich einen Vier-Viertel-Tact, und deren 4 in der ersten und 4 in der andern und letztern Reprise, dafern sie dem Tantzen gewidmet; sonst nimmt man sich Freyheit. Sie hat übrigens ein Dactylisches Metrum, so daß gemeiniglich auf ein Viertel zwey Achtel folgen, und der Anfang mit dem letzten Viertel des Aufschlages gemacht wird, welches Viertel im Abschnitte, wo die Reprise ist, wie auch am Ende wieder abgekürtzet werden muß.