Entrée, Es heißt zwar sonst bey den Frantzosen eine iede Tantz-Melodie mit einem allgemeinen Nahmen eine Entrée, voraus, wenn sie bey Schauspielen zu Aufzügen dienet und die Banden einführet; aber im besondern Verstande ist es eine solche hyporchematische Gattung, nach welcher oft auch nur eine eine eintzige Person mit der grösten Kunst, Stärcke und Geschicklichkeit gantz ernsthafft tantzet. Zum Abzeichen ist hierbey noch anzumercken, daß der Anfang einer Eutrée, um ihre Autorität desto besser zu zeigen, bisweilen mit der Ober-Stimme gantz allein gemacht, und der Baß erst, nach einer Pause, nachahmend eingeführet wird, fast auf die Weise, wie bey Quverturen zu geschehen pfleget; doch muß die Pause bey beyden nicht über einen Tact betragen. Bey derselben muß in der Music das majestätische Wesen, so bey dem Marsche anzutreffen, gleichfalls Stat finden, aber sie darf doch so gar hochtrabend nicht einher gehen. Hergegen hat die Entrée mehr scharfes, punctirtes und so zu reden reissendes an sich, als sonst irgend eine andere Melodie, wobey denn die Ebenträchtigkeit des Marsches fehlet oder in etwas abgehet. Jhre herrschende Eigenschafft ist die Strenge, und der Zweck, daß sie die Zuhörer zu solcher Aufmercksamkeit reitzet, als ob recht was fremdes oder neues vorgebracht werden solte. Die zwo Abtheilungen, wo man die Sätze wiederholet, können bey einer Entrée wol etwas länger seyn als bey dem Marsch: Jene leidet auch die ungerade Anzahl der Täcte, weil ihr Wesen nicht fliessend, sondern ein wenig störrisch ist; dieser hergegen giebt solches durchaus nicht zu, sondern will einen genauen geometrischen Verhalt haben. Ferner machet man auch gerne die beyden Wiederholungs-Theile der Entrée von einerley Länge; bey dem Marsche aber ist gemeiniglich der erste dieser Theile kürtzer als der andre. Sonsten wird Entrée auch in der Music also gebraucht, daß es eben so viel bedeutet, was man Intrada oder Ouverture nennet.