Cerf, Hirsch, Jst das edelste und schönste unter allem vierfüßigen Wildpret, so zur hohen Jagd gehören. Man verstehet zwar unter dem Nahmen Hirsch-Wildpret, sowohl das Männlein als das Weiblein, doch wird nur jenes, nemlich das Männlein, eigentlich ein Hirsch, das Weiblein aber eine Hindin, so lange, bis sie der Hirsch beschläget, wenn sie aber gesetzet, ein Thier oder Wild genennet. Einige wollen dreyerley Gattungen der Hirsche bemercket haben, nemlich die braunen, die falben, und die röthlichen; die braunen sind stärcker, schneller und grösser, als die andern, und haben ein edler Wildpret; die falben tragen das Haupt empor, und haben ein schwaches Geweih, die aber einen schwartzbraunen Strich über den Rücken haben, werden für edle und gute Hirsche gehalten. Die röthlichen sind meistentheils jung und dauerhafft, und machen den Hunden bey der Par-Force-Jagd viel zu schaffen. Jn den Böhmer Waldungen, werden häuffig Hirsche gefunden, welche lange schwartze Zotten am Hals haben, und stärcker vom Leibe sind als die andern, diese nennet man Brand-Hirsche. Der Hirsch ist mit einem starcken Gehörne oder Geweih bewaffnet, welches er nach seinem zweyjährigen Alter alle Jahr gemeiniglich im Martio abwirfft, zumal ein jagdbarer Hirsch, da es sich hingegen bey den geringern Hirschen, insonderheit mit den Spiessern, zuweilen bis in den May hinein verziehet, welche aber sodenn auch desto später verecken, daß man öffters im Augusto ihr Gefege noch an deren Gehörne findet. Sobald er das Geweih abgeworffen, begiebt er sich in das tieffste Gehöltz, verbirget sich, und getrauet sich nur des Nachts auf die Weide zu gehen, bis ihm das Gehörn wieder gewachsen. Das wieder hervorkommende junge Geweih, welches die Jäger so lange Kolben nennen, bis es vollkommen und erhartet, ist sodenn gantz weich, und mit einer rauhen Haut überzogen, weswegen er solches wohl in acht nimmt, bis es so weit erstarcket, daß er es wieder reinigen und abschlagen kan, so gemeiniglich zehen bis zwölff Wochen, nach dem Abwerffen, oder um Mariä Heimsuchung geschiehet. Er weiß aber das Bast oder die rauhe Haut vom Gehörne in ein paar Tagen, auch offt nur in einer Nacht, beym Thau und nassen Sträuchern dergestalt reinlich abzusäubern, daß am Kopff, Gehörn und Hals, weder vom Bast, noch von Schweiß-Tropffen das geringste zu sehen ist, und streichet mit demselben, nach seiner Höhe, an das junge lange Holtz hoch hinauf, bis das Bast völlig abgeschlagen. Solche abgeschlagene rauhe Haut, welche die Jäger das Gefege nennen, geniesset und verschlinget er selbst, so viel er davon wieder finden kan, das übrige wird bald von den Ameisen, oder auch von den Jägern zu gewissem Gebrauch aufgesucht. Das blosse Gehörn ist anfänglich weiß, wird aber von der Lufft gelber, endlich bräuner, und von der Sonnen-Hitze, nachdem viel Marck darinnen, schwärtzlicher und schwerer. Die Spitzen der Enden werden durch viel Stossen in die Erde, Sand und Kieß vom steten Gebrauch weiß, und durchs Wasser gereiniget. Aus dem Geweih wird das Alter eines Hirschen erkannt: Nachdem er Nahrung und Weide, Natur und Vermögen hat, bekommt er in dem ersten, theils auch im andern Jahre, auf dem Kopffe, zwey Puckeln, als welsche Nüsse, welche täglich höher aufschiessen, und zum Theil eine Viertel-Elle, auch theils noch länger wachsen, und zur Brunst-Zeit erst vollkommen werden, denn wird er ein Spieß-Hirsch oder Spiesser genennet; im andern, auch wol im dritten Jahre, des Sommers, wenn diese Spiesser abgeworffen haben, setzen sie offtmals wiederum Spiesse auf, iedoch längere und stärckere, als die vorigen: Theils bekommen Augen-Sprossen oder vier Enden, denn werden sie Gabel-Hirsche genennet, welche Augen-Sprossen ihnen denn allezeit am längsten wachsen. Jm vierten oder fünfften Jahre, nachdem der Hirsch Nahrung und Ruhe oder Mangel gehabt, setzet er wiederum vier Enden doch stärcker und länger, mehrentheils aber sechs Enden auf. Jm fünfften Jahre bekommt er meistentheils acht bis zehen Enden. Diese sind flüchtige Hirsche, und geschwinde im Kämpffen, werden aber dennoch mit Ungestüm von den grossen abgetrieben. Jm sechsten und siebenden Jahre vermehret er seine Enden bis sechzehen, also daß er im folgenden Jahr bereits alle die Enden bekommt, die er sein Leben lang tragen soll, und mehret sich sodenn sein Gehörne nicht weiter, als in die Dicke. Einige Hirsche, welche zehen oder zwölff Enden getragen haben, pflegen folgendes Jahr zurück und weniger aufzusetzen, iedoch längere Enden und stärckere Stangen, welches ein Merckmahl, daß sie des Winters offt Hunger ausgestanden, keine gute Nahrung gehabt, und nirgends sicher gewesen. Sonst ist ein gar alter Hirsch wohl zu erkennen, wann die Rose voller grossen Perlen oder Steine, nahe und breit demselben auf dem Kopffe sitzet: Die Stangen lang und dicke, voll tieffer und perlichter Ritzen, oben flache und gedoppelte Cronen, lange weisse abgenutzte Enden, über denen Augen tieff eingesunckene Gruben, blasse Zungen und trübe Augen, stumpfe wacklende Zähne, abgenutzte Schaalen, stumpffe Klauen, grosse flache dicke Ballen, und dergleichen zu sehen sind. Merckwürdig ist, daß wenn ein Hirsch in der Kalbe-Zeit an seinem kurtzen Wildprete verletzet, oder gar verschnitten wird, so bekommt derselbe gar kein Gehörn, sondern er bleibt kolbigt, als ein Thier, wird aber desto stärcker am Leibe. Hat er aber schon ein Gehörne getragen und abgeworffen, und leidet in der Kalbe-Zeit an diesem Orte Schaden, so wächset ihm zwar das Gehörne, doch aber allezeit schwürig, und wird niemals reiff. Hat er aber sein reiffes Gehörne auf dem Kopff, und wird daran beschädiget, so bleibet ihme das Gehörne beständig auf dem Kopff, und wirfft er es niemals ab; wird er aber durch einen Schuß daselbst verletzet, so wird er gantz ausser der Zeit werffen, verecken und schlagen, auch nicht förmlich, sondern nur kurtze und krumme Enden aufsetzen. Jm Sommer gehen die Hirsche mit dem Wild fleissig in das Getreide, als Erbsen, Gerste, Wicken, Haber, Flachs-Knoten, Eichel-Mast, wild Obst, Kraut, Rüben und dergleichen; sie halten sich heimlich, und gehen nicht weit zu Felde, auch nicht weit zu Holtze, daß sie nicht verrathen werden. Gegen Jacobi um die Erndte-Zeit, werden sie sehr feiste, welches man die Hirsch-Feiste nennet. Diese dauert bis zur Brunst-Zeit. Solche währet oft lang, gemeiniglich drey bis vier Wochen, und weil ein Hirsch zehen bis funffzehen Thiere beschicket, nehmen sie dergestalt dabey ab, daß fast nichts als Haut und Knochen an ihnen bleibet. Nach der Brunst-Zeit begeben sich die Hirsche wieder zusammen, und bleiben den Winter über mehr, als im Sommer bey einander, es mögen auch alsdenn die grossen Hirsche die kleinen besser leiden, welche sie vor und in der Brunst-Zeit von sich jagen, und nicht um sich dulten können; im Winter aber scharren sie nach der Heide oder Heide-Kraut, beissen die Knospen von jungen Bäumen, Eichen und Bircken, schälen auch die jungen Rinden von Aspen und Kiefern, pflücken den Vogel-Kien und Mistel von Wind-Brüchen ab, suchen auch die Eichel- und Buch-Mast unter dem Lande hervor. Sie verbergen sich vor der Kälte in Behältnissen, tieffen Gründen und Dickigten, suchen in warmen Qvellen Nahrung von Brunnen-Kresse, Kräutern und Wurtzeln; wo die Sonne fein anscheinet, wärmen sie sich; des Nachts aber, da alles Wild viel kühner und nicht so fürsichtig, als am Tage ist, gehen sie auf der grünen Saat; im harten Winter und bey tieffem Schnee, da sie kein Geäse finden können, werden sie in den Thier-Gärten und Gehägen, in denen Heu-Scheunen, oder sonst an gewissen hierzu beqvemen Plätzen mit nothdürfftiger Fütterung versehen. Des Frühlings, wenn sie sich haaren, treibet ihnen die Natur zwischen Haut und Fleisch, eine solche Materie, aus deren Fäulung Würmer wachsen, Enderlinge genannt, so auch zuweilen durch den Schlund, Nasen und Maul heraus gehen, und eine Reinigung des Geblütes sind, zu Zeiten aber durch besagten Schlund so starck treiben, daß das Thier ersticken muß. Vier Jahr wächset ein Hirsch in die Höhe, hernachmals leget er aufs Unschlitt und Feiste, und wächset in die Breite, Dicke und Stärcke, so groß er werden soll, ebenfalls vier Jahr Ein rechter jagdbarer Hirsch, soll, wie er zu Boden fället, mit vollem Wanst, Gescheide und Gehörne, dreyhundert Pfund an Gewichte, und nicht weniger als zehen Enden haben. Dahero die Alten zu sagen pflegen, was dem Hirschen an Gehörn oder Zahl der Enden fehlete, müste er am Wildpret um so viel mehr haben. Man muß aber aus der Grösse und Stärcke eines Hirschen keinesweges dessen Alter judiciren, denn man findet Hirsche von fünff bis sechs Jahren, welche, wenn sie zumal in der Milch- oder Sauge-Zeit ihrer Mütter nicht beraubet worden sind, wol so starck und noch stärcker als ein zehenzwölff- oder funffzehenjähriger Hirsch sind. Sonst hat ein Hirsch einen doppelten Magen, wegen seines Wiederkauens; an der Leber aber ist keine Galle zu finden, hingegen siehet sowel bey dem Hirschen, als dem Thiere, die Blume oder Bürtzel (Schwantz) gantz Gallen-grün aus, und ist eines dergestalt bittern Geschmacks, daß sie auch die Hunde nicht fressen mögen, dahero sie auch von einigen vor das Behältniß der Galle gehalten wird. So ist auch das Gescheide gantz bitter. Ein mehrers s. Hirsch.