FeedHirsch-Brunst, Hirsch-Brunft
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Hirsch-Brunst, Hirsch-Brunft, Heisset die Zeit, darinne der Hirsch in die Brunst tritt. Solches geschiehet um Egidii nach der alten Zeit, und währet bis zu Ende des Octobers. Zu dieser Zeit gehen die Hirsche von einander, da sie sich vorher häuffig zusammen hielten, werden begierig und suchen das Wild, und spüren ihnen fleißig nach. Was nun ein Hirsch für Wild antrifft, dabey bleibet er, bis ein stärckerer über ihn kommt, der ihn wiederum davon abtreibet. Vor Hitze der Brunst bekommt er unter dem Zäumen einen schwartzen Fleck, (welcher ie länger ie grösser, und der Brand genennet wird) und vom Schreyen einen starcken Hals, wie einen Kropff, und lange Spieß-Haare daran. Währender Brunst-Zeit soll er anders nichts, als Pültze und rothe Schwämme geniessen: Vor Hitze, sonderlich da Mastung ist, kühlen sich sowol die Hirsche als das Wild in Prudel und Morast, daß sie über den gantzen Leib schwartz voller Koth aussehen. Wenn der Hirsch in voller Brunst stehet, und recht grimmig ist, so weicht er vor nichts aus, sondern thut öffters sowol Menschen als Vieh Schaden. Ein solcher Brunst-Hirsch gehet allezeit hinter dem Wild her, und so er einen andern schreyen höret, antwortet er hefftiger, seinen Widerpart damit abzuschrecken. Kommt nun ein anderer, der noch kein Wild hat, und dieser siehet ihn, so gehet er auf ihn los, und jener reisset aus; wo er aber sich zu wehren getrauet, und Stand hält, denn fahren sie vor Grimm plötzlich mit dem Gehörne zusammen, daß man es auf eine Viertel-Stunde weit, ja bey stillem Wetter noch weiter klappen höret, und kämpfen mit grosser Geschwindigkeit. Offt verwirren und verbeugen sie die Gehörne in einander so feste, daß sie nicht wieder von einander zu bringen sind, und öffters beyde Hirsche auf dem Platze bleiben müssen, wenigstens wird mancher krumm und lahm und zu schau den gestossen, wo er das Gelack nicht gar mit der Haut bezahlen muß. Wo ein grosser Trupp von vielem Wild ist, und etliche Hirsche darzu kommen, so jagen sie sich ziemlich herum, springen denn unter das Wild hinein, um sie von einander zu trennen, welches denn schwerlich angehen will, so es aber gelinget, gehet einer hier mit einem Trupp, der andere mit etlichem Wild dort hinaus. Jn solcher Zeit werden, wo Gehege sind, die Heiden und Wälder verboten, und darff niemand, wie sonsten, hinein fahren, Streuling oder Holtz holen, oder auch darinne hüten oder mit Hunden hinein kommen: Massen hierdurch das Wildpret in seiner Brunst gestöret würde. Es sollen auch die Fleischer-Knechte mit ihren Kälbern und Hunden, die einen starcken continuirlichen Laut von sich geben, und am meisten schädlich sind, mit Fleiß von solchem Walde abgehalten werden, und das um so vielmehr, wenn etwan die Herrschafft zugegen, und ein Brunst-Schiessen gehalten wird. Solche währet gemeiniglich drey bis vier Wochen, binnen welcher Zeit die Herrschafft auf einem an solchen Wald nahgelegenen Amt-Jagd- oder Lust-Haus sich aufhält. Wenn nun der Forstmeister selbigen Refiers durch seine untergebene Förster Erkundigung eingezogen, wo und wie solche Hirsche in der Brunst stehen, und ob solche Hirsche zeitlich oder spät antreten; so reitet der Forstmeister nach gegebenem Bericht mit der Herrschafft gegen Abend und vor Tages, nebst dem Pürschmeister und Leib-Schützen an gemeldten Platz, steiget ab, und so der Forstmeister der Herrschafft die Wechsel und Gelegenheiten gezeiget hat, und sie sich angestellet oder anderwerts Hirsche schreyen hören, so führet der Pürschmeister die Herrschafft an, durch Beschleichen, Kriechen oder andere Vortheile; ist der Hirsch zu weit, muß er denselben mit Knicken eines kleinen Stöckgen, als ob ein anderer käme, näher locken, und so ein Hirsch der Herrschafft recht zum Schuß stünde, solchen schiessen lassen: Welcher hierauf zum Zeichen, daß er von der Herrschafft gepürscht worden, gehöriger massen auf dem Pürsch-Wagen geleget, und nach Hofe geschickt wird. Zuweilen wird der Pürschmeister, wenn die Herrschafft einen Hirsch von sonderbarer Grösse und vielen Enden gepürschet, von derselben beschencket, das abgeschlagene Gehörn aber auf einen höltzernen Hirsch-Kopff zum Angedencken angemachet, und die behörige Nachrichten beygefüget.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1075–1078Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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