Dum-Pfaffe, Blut-Fincke, Welcher auch Gimpel, Roth-Fincke und Roth-Schlegel genennet wird, ist ein kleiner Vogel, welcher nicht sowol wegen seines natürlichen Gesangs (denn solcher ist sehr schlecht und mehr ein verdrüßliches Geschrey als Gesang zu nennen) als seiner schönen Farbe und Geschicklichkeit halber, welche er in Erlernung der vorgepfiffenen Lieder zeiget, von denen Liebhabern der Vögel ästimiret wird. Er hat bis an die Augen herunter einen Kohl-schwartzen Kopff, als wenn er eine schwartze Mütze aufgesetzet hätte, und einen schwartzen dicken und stumpffen Schnabel. Die gantze Brust ist recht hoch Ziegel-roth, welche Röthe sich bis hinauf zu denen Augen erstrecket, so daß die Backen zu beyden Seiten des Kopffes sowol roth sind, als die Brust. Wo die Röthe unten am Bauche aufhöret, da fangen hellweisse Federn an, welche sich bis hinunter an den Schwantz erstrecken. Der Schwantz ist, wie oben der Kopf, Kohl-schwartz, ohne daß der geringste Spiegel zu sehen. Gleich bey dem Anfang des Halses, fänget sich auch eine feine blaue Farbe an, welche iedoch nicht so scheinend und angenehm ist, als das Blau bey einer Blau-Meise; Diese nimmet den gantzen Rücken, auch etwas von denen Flügeln ein, deren lange Federn iedoch gantz schwartz sind. Wo die blaue Farbe unten am Rücken nahe beym Schwantze aufhöret, da fängt sich eine weisse Farbe an, welche dem Vogel, wenn man ihn fliegen siehet, eine besondere Zierde giebet. Das Weiblein ist von seinem Männlein gar viel unterschieden, und also sehr kenntbar; Denn den Kohl-schwartzen Kopff hat es zwar so wohl als das Männlein, und wo dieses weiß ist, findet sich jenes ebenfalls mit weissen Federn bewachsen, aber es hat weder rothe noch blaue Federn, sondern die Brust ist wie die Brust eines Fincken-Weibleins, und zwar noch dunckler, nicht anders, als wenn das rothe mit Koth beschmieret worden wäre, und am Rücken, wo es blau seyn soll, ist es Aschen-Farb, und hat an dessen Ende nicht so viel weisses als das Männlein. Der Leibes-Grösse nach giebt es dreyerley Gattungen: Die größte Gattung, welches die schönste ist, wird an Grösse einer Weindrossel nicht viel nachgeben, obgleich der Gimpel, weil er kurtzbeinigt, so groß nicht aussiehet; Die andere Gattung wird am Leibe ungefehr einem Emmerling gleich kommen, ob sie schon, weil sie dicklicht gestaltet, grösser als ein Emmerling aussehen; Diese heisset man Hellschreyer, und sind die gemeinsten, denn sie brüten fast an allen Orten, dahingegen die grossen sich nur in gar kaltem Winter sehen lassen; Die dritte Sorte ist die kleineste, so gleich um Michaelis nur vorbey streichet. Diese kleine Gattung ist nicht grösser, als ein Haus-Sperling. Alle zusammen aber haben schwartze Füsse, und sehen breitbrüstig aus, suchen ihre Nahrung an Vogel-Beeren, Creutz-Beeren, Hagen-Butten, Wachholder-Beeren und dergleichen; Dahero sie das gantze Jahr hindurch sehr wenig auf die Erde fallen, vielmehr ihre Nahrung von denen Stengeln der Früchte herab lesen, und zu solchem Ende, wo nahe am Wald Heyde-Korn, Hirsen und dergleichen gesäet wird, sich auf die Stengel setzen, und die offt noch unzeitigen Körner heraus beissen, im Winter aber, da ihnen dieses alles entgehet, sich von dem Wald hinweg wenden, im Lande hin und her sich ausstreuen, und sowol in denen Hecken die Beere, als auf denen Birnbäumen die Trag-Knospen zu ihrer Speise aufsuchen. Jhre Brut verrichten sie in grossen Wäldern auf jungen Schlägen, welche so dicke stehen, daß man kaum durchkriechen kan, daselbst bauen sie hinein, selten höher als eine Amsel, iedoch zuweilen auch so hoch als eine Drossel, und brauchen zu ihrem Neste ebenfalls, nach Unterschied des Ortes, verschiedene Materialien, gemeiniglich aber sehr zartes Moos und kleine dürre Baum-Reißlein. Ein Blut-Fincke soll selten über vier Junge in seiner Brut-Zeit ausbringen. Sie streichen zwar zur Herbst-Zeit mit andern Vögeln auf ziemlich starcken Flügen, aber nur von einem Wald in den andern, wenn ihnen aber der Fraß zuletzt fehlet, so zerschlagen sie sich aus den grossen in kleine Hauffen, um hin und wieder in Gebüschen ihre Nahrung zu suchen. Man fänget sie mit Leim-Spindeln, die man auf kleine Bäumlein stecket, und einen Lock-Vogel unter die Bäumlein oder mitten hinein setzet: Denn es ist schwerlich ein Vogel zu finden, der begieriger auf die Locke gehet, als eben dieser Blut-Fincke. Jn denen Herbst- und Winter-Monaten, fallen sie auf allen Herden ein, wo sie Vogel- oder andere dergleichen Beere finden. Sie sind auch vermittelst eines Kloben auf einer Meisen-Hütten zu bekommen, wenn man an stat der Lock-Meise einen Gimpel oder Blut-Fincken hinhänget, oder nur einen ausgestopfften solchen Vogel nechst dem Kloben hinstecket, und mit dem Munde lockend das Geschrey der Blut-Fincken nachmachet. Wer dergleichen Vogel zur Lock halten will, mag ihm anfänglich gantzen Hanff geben, nach drey oder vier Wochen aber, ihme demselben entziehen, und ihn dafür mit Rübsen oder Rübe-Saat und Leindotter füttern, auch zuweilen nach Beschaffenheit der Jahrs-Zeit mit Beeren versehen, da er denn bey solcher Wartung eine lange Zeit dauren und seine Dienste verrichten wird.