Emmerling, Gold-Ammer, Jst ein bekandter kleiner Vogel, dessen Farbe am Kopff, Brust und gar am Bauch hinunter, sehr schön gelb, so daß er wohl unter die schönen Vögel darff gezehlet werden. Es ist aber das Gelbe bey einem mehr als bey dem andern, sonderlich bey jungen mehr als bey alten, mit dunckelbräunlichten Federn untermenget, welche theils hell-theils dunckelbraune Federn, bis an den Unter-Theil des Halses, bey den Rücken und Flügel also bedecken, daß wenig gelbes, ja bey manchen gar nichts davon heraus scheinet; an dem Kopff, der Kehle und Ober-Theil des Halses aber fallen bey denen Männlein im Frühling die schwartzbräunlichten Federn gar hinweg, daß nichts als gelbes übrig bleibet, und der gantze Kopf aussiehet, als wenn er mit Wachs überzogen wäre, iedoch oben her wo der Schwantz bald anfängt, sind röthlichte Federn zu sehen, wie die Schwantz-Federn der Nachtigall; Des Emmerlings Schwantz selbsten ist bleich-bräunlicht, und hat zu beyden Seiten an denen zwey letzten Schwantz-Federn, wie die Fincken, weisse Spiegel. Das Weiblein hat weniger gelbes, als das Männlein. Die Leibes-Gestalt ist wohl proportioniret und länglicht. Der Schnabel ist kurtz, wie an einem Canarien-Vogel, wie denn auch der Emmerling, wenn er mit einem Canarien-Vogel gepaaret wird, solche Bastarte mit ihm ziehet, deren Gesang dem Gesang der besten Canarien-Vögel nichts nachgiebt. Seine Brut bringet er an der Erde unter Büschen und an grasichten Rändern aus, und hat meistens fünff Junge. Er ziehet zwar Herbst-Zeit, doch ist es mehr eine Regung der Natur bey ihme, als daß er wircklich aus hiesigen Landen, gleich andern Vögeln ziehen sollte, daher kommt es, daß wir ihn auch im Winter iederzeit bey uns sehen können, wenn er nemlich auf den mit Schnee bedeckten Feld kein Geäs mehr antrifft, und dahero mit denen Sperlingen in denen Höfen vor den Scheuren, wo gedroschen wird, und auf denen Mist-Stätten, sich einfindet, da er denn am ersten berückt wird, indem er sich sonsten nicht gar leicht betriegen läßt. Er ist eines süssen und angenehmen Geschmacks, und gegen den Winter sonderlich fett. Wer einen Emmerling im Vogel-Hause halten will, muß ihme bisweilen Haber geben, und mit allerley andern Saamen abwechseln, so kan man ihn auch manchmal etwas süssen Qvarck, oder wie er an andern Orten genennet wird, süssen Topffen vorsetzen; er will aber einen geräumlichen Vogel-Bauer haben, welcher nicht wie ein Canarien-Häuslein gemacht ist, darinnen der Vogel auf und abspringen kan, sondern vielmehr länglicht, darinnen er in gerader Linie seinen Lauff hin- und wieder zu nehmen Platz hat.