FeedPluvier
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Pluvier, Jst ein Vogel, welcher zwar von einigen für eine Gibitz- oder Kybitz-Art gehalten wird, aber eine gantz unterschiedene Farbe, keinen Strauß auf dem Kopff, wie sonst die Kybitze zu haben pflegen, und an seinen Füssen vornen nur drey Zehen, wie die Trappen, rückwerts aber keine hat. Es giebt dessen zweyerley Arten, welche vornemlich durch die Farbe unterschieden werden. Der erste ist so groß wie eine Taube; sein Schnabel ist kurtz, rund und spitzig am Ende, etwas krumm gebogen, von Farbe schwartz. Seine Zunge ist dreyeckigt, die Federn sind gelb, weiß und röthlicht. Der andere scheinet etwas grösser als der erste, sein Schnabel ist ein wenig länger und dicker, er hat eine Aschen-graue Farbe mit untermischten Flecken, die schier Castanien-farbig sehen. Diese Vögel halten sich mehrentheils an den Flüssen auf, und werden zwar in unsern Landen gar selten, aber desto häuffiger in Franckreich gefunden. Sie nähren sich mit Gewürmen und Fliegen, und ziehen Schaarenweise mit einander. Man fänget sie mit Wänden, und verspeiset sie gebraten, und wie die Wald-Schnepffen unausgeweidet, auf grosser Herren Tafeln. Jhr Fleisch soll das Blut reinigen, und sowol zum bösen Wesen, als den Harn zu treiben, gut seyn.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1794–1795Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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