Marsch, la Marche, Jst die Bewegung eines Kriegs-Heeres, da solches von einem Orte zum andern fortrücket. Es wird auch von der Ordnung, welche dasselbe dabey hält; ingleichen von den Zeichen, welche mit dem Kriegs-Spiel, Trompeten, Paucken, Pfeiffen und Trommeln darzu gegeben werden, gebraucht. Und so ist er eine ernsthaffte, doch dabey frisch ermunternde Melodie, welche ihren eigentlichen Sitz vor dem Troup auf der Parade hat; doch findet sie auch in theatralischen Aufzügen und in Sviten stat, und hat mit der Entrée eine grosse Gemeinschaft, nur daß jene mehr Passagen als diese zuläßt. Des Marsches rechte Eigenschafft ist was heldenmüthiges und ungescheutes, doch nichts wildes oder lauffendes. Er läßt sich nicht von allerhand Sachen machen. Er darf nicht traurig und kläglich, jämmerlich und weinend seyn, aber auch nicht auf den Sprung; denn frisch und munter ist nicht gleich lustig und frölich. Der Marsch ist gar kein eigentlicher Tantz, und wenn er in Schauspielen vorkömmet, schreiten die Personen nur gantz langsam und ehrbar nach dem Tacte daher, ohne Tantzen, Hüpfen und Springen; doch figuriren sie unter einander, welches sich wohl sehen läßt, sonderlich von Gewaffneten oder Kriegs-Leuten. Der Ernsthafftigkeit einer solchen Melodie hindert es nicht, wenn sie gleich in ungerader Tact-Art erscheinet, wenn sie nur ihre prächtigen Abzeichen und das kriegerische Wesen blicken lässet. Es giebt Vorfälle, da auch der Marsch seine Eigenschaft verändern, und sich nach gewissen Umständen einrichten lassen muß. Denn wenn z. E. ein Hauffen Arleqvins oder lustige Brüder sollen aufgeführet werden, kan solches mit einer ernsthafften Melodie nicht geschehen, sondern ie lächerlicher sie bey solcher Gelegenheit ausfällt, ie besser ist sie. Aber bey tapffern Kriegs-Leuten muß der Marsch was gesetztes und unerschrockenes darlegen.