Polonoise, Der Pohlnische Tantz im geraden und ungeraden Tact-Maasse. Der Anfang einer Polonoise, im genauen Verstande genommen, hat darinne gantz was eigenes, daß sie weder mit dem halben Schlage im Aufheben des Tactes wie die Gavotte, noch auch mit dem letzten Viertel der Zeitmaasse eintritt wie die Bourrée, sondern gerade zu ohne allen Umschweif in beyden Arten mit dem Niederschlage getrost anhebt. Die Tantz-Weise der Pohlen ist zwar nicht unbekannt, die wenigsten aber dürfften bemercket haben, daß ihr Rhythmus in gerader Mensur hauptsächlich der Spondæus ist, mit welchem so gar geschlossen wird, daß sonst bey keiner Melodie in der Welt geschiehet, zumal in unisono continnato. Bey ungerader Zeitmaasse verändert sich der Spondæus in einen Jambum, so daß bey der ersten Art zwo gleiche lange Noten oder halbe Schläge in einem Tone, bey der andern aber eine kurtze und eine lange, nemlich ein Viertel und ein halber Schlag auch in einem Tone das Regiment führen. Jedoch findet man diese Rhythmos auch mit einander untermischet. Man solte nicht meinen, was diese Melodien-Gattung für sonderbaren Nutzen hat, wenn sie in singender Stimme, nicht zwar in ihrer eigentlichen Gestalt, sondern nur auf die Pohlnische Art und ihren Fuß, angebracht wird. Jhr wahres Abzeichen, oder Character und Affect beruhet in einer besondern Offenhertzigkeit und einem gar zu freyen Wesen. Bey Lustbarkeiten und Täntzen läßt sich die rechte Natur und Eigenschaft eines Volckes nicht so leicht, als bey andern Gelegenheiten verbergen.