FeedEquites Gallici Spiritus Sancti
ReligionRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Equites Gallici Spiritus Sancti, Den Ritter-Orden des Heiligen Geistes, hat König Heinrich III in Franckreich 1579 am ersten Pfingst-Tage gestifftet, weil ihm dieser Tag sonderlich glücklich gewesen, indem er an demselben gebohren, zum König in Pohlen erwehlet, und auch an eben demselben König in Franckreich worden. Er wurde selbst der Groß-Meister des Ordens, und solte das Groß-Meisterthum, nach dem Exempel der Spanier, stets bey der Krone bleiben; so setzte er auch die Zahl der Ritter auf 100, ohne die geistlichen und andere Ordens-Bedienten. Das erste Hals-Band der Ritter bestund aus roth emaillirten Lilien, die güldene Flammen von sich warffen, und drey güldene weiß-emaillirte Monogrammata oder verzogene Buchstaben hatten, so dem Verlaut nach auf ein gewisses Liebes-Verständniß abgezielet. Jtzo aber bestehet die Ordens-Kette, deren sie sich nur bey hohen Festen und besondern Ceremonien bedienen, aus unterschiedenen Sieges-Zeichen, rothemaillirten Lilien, wie auch mit dem darzwischen stehenden gecrönten und flammenden Buchstaben H, als Anfangs-Buch staben vom Nahmen des Stiffters, nebst einem unten daran hangenden achteckichten güldenen Creutz, in dessen Mitten eine Taube, auf der andern Seite aber das Bild des heiligen Michaelis, der den Drachen unter die Füsse tritt, zu schauen ist, weil nemlich eben diese Ritter auch zugleich Glieder des Ordens von St. Michael sind. Jnsgemein tragen sie ietzt-bemercktes Ordens-Creutz an einem blauen Band von seidenem Mohr, welches ihnen von der rechten Achsel nach der lincken Seite herab hänget, und ordentlich le Cordon bleu geheissen wird, durch welche Benennung die Frantzosen schlechterdings den Orden des Heil. Geistes verstehen. Jhr gewöhnliches Ordens-Fest ist der Neue-Jahrs-Tag, an welchem die Ritter in einem langen mit Gold und Silber um und um von güldenen Lilien und Zweiffels-Knoten bordirten schwartzen sammeten Mantel erscheinen, welcher durchaus mit güldenen Flammen besäet, und auf dessen lincket Seite ein silbernes acht-spitziges Creutz mit einer Taube gesticket ist. Unter dem Mantel haben sie eine Schaube von grünem Silber-Stück, mit silbernen Tauben bezieret, deren Unterfutter beyderseits aus gelbem Oranienfarbenen Atlaß bestehet. Der Ort aber, wo sie zusammen kommen, ist die Augustiner-Kirche zu Paris. An dem Neuen-Jahrs-Feste 1705 hat der vorige König Ludovicus XIV, die Zahl der Ritter mit vielen neuen Gliedern vermehret, und die Marschallen de Gesvres, de Villars, de Harcourt, de Chamilly, de Chateaurenault, de Vauban, de Rosen, und de Montrevel mit dem Cordon bleu beehret. Der Marschall de Catinat stund auch auf dieser Rolle, er bedanckte sich aber gegen den König vor sothane Ehre mit dem Vorwand, daß es ihm an den hierzu nöthigen Adelichen Ahnen fehle, dergleichen ehemals der Marschall de Fabert ebenfalls gethan. Diß einige ist noch dabey zu gedencken, daß, weil bey dieser Promotion lauter Kriegs-Generale den Orden des Heil. Geistes bekommen, ein gewisser Satyricus in einem netten Epigrammate, die sieghafften Alliirten erinnert, sie solten sich künfftigen Feldzug gar wohl vorsehen, denn es stünde ietzo mit der Frantzösischen Tapfferkeit gar auf einem bessern Fusse, weil die Herren Feld-Marschalle allerseits den Heil. Geist empfangen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 683–686Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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