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ErdkundeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Escurial, Ein berühmtes Dorff 6 Meilen von Madrit, in Neu-Castilien, liegt an einem heßlichen Ort, gleichwol ist es ein Königlich schönes Gebäu, wohin sich der König in Spanien des Jahrs dreymal zu begeben pflegt, daran Philippus II 27 Jahr gebauet und 150 Millionen Goldes darauf verwendet hat: Hat aber A. 1671 durch den Brand grossen Schaden gelitten. Es soll so prächtig gewesen seyn, daß es unter die Wunderwercke der Welt gerechnet worden, und hätten gar wol 4 Könige darinnen ungehindert residiren können. Es soll in allen gehabt haben 11000 Fenster, 1400 Thüren, zu welchen die Schlüssel 27 Centner gewogen. Jn der Kirchen sind absonderlich 3 schöne Altäre zu sehen, und vorn über der Kirchen-Thür stehen 6 Marmorsteinerne Bilder mit güldenen Cronen und Scepter; in der Kirche sind 8 Orgeln. Das Pult, darauf das Gesang-Buch liegt, ist von Meßing, und soll 14 Centner wiegen. Jm Thurn hangen 19 Glocken, so musicaliter zusammen stimmen. Sie geben einen so lieblichen Klang von sich, als ob 8 Chöre in einander stimmeten. Der hohe Altar ist ein aus dermassen schönes Stückwerck, von Jaspis und Marmorstein, und mit sehr künstlichen und köstlichen Tafeln gezieret. Jn der Sacristey siehet man den allerkostbarsten Kirchen-Ornat, so schier in Europa zu finden seyn mag. Das Brust-Gewand wird auf 50000 geschätzet. Das Königliche Begräbniß wird einem aus den 7 Wunderwercken der Welt verglichen. Die Materialien sind von Alabaster und andern kostbaren Steinen. Diß Begräbniß hält im Umkreis 113 Schuhe, in der Breite 36, und in der Höhe 78. Es sind in 6 unterschiedenen Plätzen 24 Gräber von schwartzem Marmor, um darein so viel Cörper zu legen. An einem andern Ort stehet ein Creutz von Löthigen Gold, in welches die schönsten Perlen versetzet, darunter 4 so groß sind, als eine Muscat-Nuß. Mehr wird ein Buch gesehen, mit Gold beschlagen, so auf 4000 Ducaten geschätzt wird. Jtem geistliche Lieder, so bey der Leich-Begängniß Kaysers Caroli V gebraucht worden, sie werden auf 50000 Cronen geschätzt. Und diß ist das Gebäu vor den König und seine Leute. Das andere ist vor die Münche, so auch künstlich erbauet, deren an der Zahl 120 sind, u. haben ein Einkommen von 30000 Cronen. Jn der Biblothec liegen über 18000 herrliche Bücher etc.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 698–700Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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