München, Hauptstadt des Hertzogthums Bayern, und die Churfürstl. Residentz, am Fluß Jser gelegen, an Schönheit und Pracht nicht viel in der Welt gefunden werden. Die Häuser sind groß, schön und prächtig erbauet; die Haupt-Kirche zu unserer Frauen ist ein schönes und grosses Gebäu, mit einer schönen Cantzel und 2 hohen gleichen Thürmen gezieret. Die Orgel hat von Bux-Baum gedrehete Pfeiffen, in einer ziemlichen Grösse. S. Benno liegt allhier im Chor begraben. Die Jesuiter-Kirche ist auf Jtalienische Manier sehr schön und prächtig erbauet, da insonderheit wohl zu betrachten sind die schönen Gemählde und Altäre, von dem grossen Chor hanget eine silberne Oel-Lampe, so 50 Marck Silber wiegt, vorn unter dem Chor sind der Hertzoge von Bayern Begräbnisse. Jn dem Chor stehet ein metallener Engel, so mit beyden Händen das Weih-Wasser hält. Jn der Kirchen sind 2 Orgeln neben einander: Das Pflaster ist von schönem Marmor. Hinter dem Chor liegt der Jesuiter-Schatz, eine grosse Summe Geldes werth, von gantz güldenen und silbernen Trühlein, eingefasten Crucifixen, Monstrantzen, Leuchtern, Behältern der Reliqvien, vielen Geschirren und Gefässen mit schönen Steinen versetzt, schöne Tapezereyen, köstlichen Meß-Gewandten, und bey demselben eine schöne Capelle, unter welchen ein Gewölbe zu ihren Begräbnissen, die Kirche hat von aussen 2 Haupt-Thore, eine schöne Facciata, oben auf ist Christus mit dem Apffel, unter ihm stehet Otto, Hertzog in Bayern, und unter diesem auch noch andere Hertzoge und Kayser, alle in weissen Marmorstein gehauen, in Lebens Grösse. Unter den 6 letzten ist Hertzog Willhelm, welcher eine Kirche in der Hand hat, zu unterst zwischen diesen 2 Thoren ist der Ertz-Engel Michael mit dem Drachen, sehr schön und groß, wie auch das Chur-Bayerische Wappen von Metall gegossen, das Collegium, so daran ist, hat eine überaus grosse Weite, also daß der Grösse halben wol ein König darinne Hof halten könte; hat verschiedene grosse Höfe und Gärten, grosse und kleine Zimmer in ziemlicher Anzahl, auch schöne Speise-Stuben und Refectoria, Schulen, Säle und Tafeln, und 800 Creutz-Fenster. Jn der Franciscaner-Kirche wird ein schönes Uhrwerck gesehen, so den Englischen Gruß schlägt, darzu ein Engel posaunet. Das Churfürstl. Schloß, so ein rechter Pallast, ist auch wohl zu besichtigen, hat im Eingehen einen langen perspectivischen Hof, durch welchen man in einen grossen runden Hof siehet, darinnen ein grosser Röhr-Kasten mit Bildern stehet. Das Pflaster ist aus Marmor, und das Wahrzeichen dieses Pallasts sind 2 steinerne Statuen, die erste, Hercules in der Löwenhaut, die andere ein nackendes Weib, so auf einem Sack schläfft; das Pflaster ist von Jaspis, Agat und dergleichen Steinen zusammen gesetzt, so klar als ein Spiegel. Der Altar der Schloß-Kirche ist doppelt von feinem Silber, allwo allerhand Reliqvien gezeiget werden. Die Zimmer im Schlosse sind überaus herrlich und prächtig; so ist an Gold und Gemählden nichts gesparet worden. Unter den Zimmern ist eine grosse Tafel-Stube, darinnen ein musicalisches Jnstrument stehet, so von sich selbst spielen kan. Das Antiquarium ist ein schönes, weites und langes Gemach, worinne allerhand denckwürdige Sachen zu sehen. Vor dem Antiquario ist ein Saal, in diesen eine schöne Grotta, Bildweise gemahlet. Aus diesem Saal gehet man in einen schönen gevierten Garten, so in vier Theil abgetheilet, allwo allerhand curiose Sachen vorkommen. Auf einer Seite des Gartens ist in der Höhe ein schöner grosser Altan, mit vergüldeten Gittern und Stangen, welche schöne Bilder tragen. Jn dem andern Garten hat es erstlich einen kleinen offenen Saal, in welchen man durch den gantzen Garten siehet. Darnach ist der grosse Felsen-Berg wohl zu besichtigen, denn darauf stehet ein groß Weibesbild von Metall, die hat auf ihrem Haupt Eichen-Laub, welches das grosse Gehöltze in Bayern bedeutet, an dem rechten Arm hänget eine Hirsch-Haut, das bedeutet das viele Wild in Bayern, in der lincken Hand hat es eine Aehre, die bedeutet das Getreide; bey den Füssen liegt ein Wein-Faß, das bedeutet der Weinwachs in Unter-Bayern, darneben eine Saltz Scheibe, die bedeutet das Saltz. Um den Berg herum sind Fische und Schnecken, die bedeuten das Wasser und Fische. Vor dem Bilde stehet ein grosser Hund und Bär, die viel Wasser ausspeyen, welches dann bedeutet, daß diese Thiere, dergestalt groß in Bayerland fallen und gefunden werden. Jtem, es sind noch zu besichtigen, die schönen Gärten, Lust-Häuser, der alte Hof, mit einem Thurn, welcher unten und oben spitzig ist. Das Löwenhaus, die Churfürstl. Bibliothec, so von 12000 Stück Büchern bestehet, darunter allerhand gar unbekannte Sprachen; die Kunst-Kammer, worinnen sonderbare Raritäten zu sehen, das Zeughaus, die Müntze, das Ball-Land-Reut- u. Rathhaus, der schöne Brunn etc. Von der Schönheit des Schlosses urtheilte der Schwedische König Gustav Adolph, es fehle demselben nichts, als Waltzen, solches nach Schweden zu bringen. Der Stadt Wappen ist ein Münch in schwartzer Kleidung mit einem güldenen Aufschlage um den Hals, und einem rothen Baret auf dem Haupte, in der lincken Hand ein Buch haltend, im silbernen Felde.