Passagier, Jst der Nahme, welchen man einem Falcken oder Habichte giebt, der im ersten Jahre seines Alters, zur Zeit, da diese Raub-Vögel sonsten ihren Strich zu haben pflegen, nemlich vom September bis in den December gefangen wird. Wenn ein Falckenier einen Passagier kauffen will, soll er auf folgende Stücke wohl Acht haben: Erstlich soll er an dem Kopff auswendig nachsehen, ob die Augen sauber und rein; ob die Ohren rein und gesund, ingleichen, ob die Nasen-Löcher offen seyn; zum andern soll er dem Vogel, so weit als er kan in den Hals hinein sehen, um zu erfahren, ob alles gesund und unversehret sey? ob er keine Finnen an der Zunge habe? ob der Hals weit angelauffen, ingleichen, ob er im Maul alterirt sey, welches man mit dem Mittel-Finger fühlen kan. Und endlich drittens hat er beym übrigen Leibe zu beobachten: Ob der Vogel die Flügel recht und an ihrer Stelle trägt, und ob er sie über einander schlägt? ob er sie recht beweget, wie es sich gebühret, wenn man ihn auf der Faust ein wenig schüttelt? ob die Flügel überall gantz, oder ihm der Träger nicht vielleicht eine versehrte Feder ausgerissen? denn dieses thun sie offtmahls, auf daß die Vögel überall glatt aussehen, und sie dieselben desto eher an den Mann bringen mögen; ob der Schwantz seine zwölff Federn habe oder nicht? ob die Hände überall sauber sind, und keine Wartzen haben, oder ob sie zu hitzig, geschwollen, oder sonst versehret sind? ob der Rücken starck oder schwach ist, welches man sehen kan, wenn man ihn ein wenig auf der Faust bewegt, oder eine Treppe mit ihm herab gehet, da er, wo er schwach, gleich die Flügel sperren, und sich für dem Fall fürchten wird. Endlich hat er auch Achtung zu geben, ob der Vogel fräßig ist, denn dieses sind gemeiniglich die besten; wie denn auch diejenigen, so nicht flattern, sondern sich gegen dem Winde schliessen, vor die besten und gefündesten gehalten werden. Einen Passagier-Falcken zahm zu gewöhnen und abzutragen, ist eine verdrüßliche und mühsame Arbeit; massen dieser Vogel durch vieles Herumwandern schon klug worden, und also wol durch fünff-tägig- und fünff-nächtiges Wachen bezwungen werden muß, bis er gantz übertäubet ist, und alle seine vorige gehabte Freyheit gäntzlich vergessen hat. Vor allen muß man ihn anfänglich zu der Haube gewöhnen, ihm grosse Schellen anlegen, und drey bis vier Wochen fleißig umher tragen, ehe man ihm recht wohl trauen darff. Zu dem hohen Weide-Werck wird er auf junge Reiher oder Störche, Truthüner, oder junge zahme graue Gänse, abgerichtet; auf den Hasen-Fang aber erstlich in der Kammer ein grau Caninichen zu fangen angewöhnet, hernach im freyen Felde, ein ausgestopffter Hasen-Balg, an einer langen Schnur, durch einen Mann zu Pferde, demselben schnell vorgezogen, damit er einen Hasen kennen lerne, und solchergestalt wird man mit ihm bald dergleichen baitzen können. Mit dem Rebhuhn, Ente und Wachtel hat es gleiche Bewandniß; worzu man ihn von diesem Feder-Wild gewöhnen will, demselben müssen die stärcksten Schwing-Federn ausgerauffet werden, daß es nicht fliegen könne: Wenn nun der Falcke hungerig, wird er von sich selbst gantz begierig drauf fallen, welchen man aber gemach bedecken, den Vogel ihm säuberlich abnehmen, und mit dem Hirn, Hertzen, Eingeweide und einem Schenckel, als seiner Gerechtigkeit, vergnügen und befriedigen kan.