FeedFisch-Otter
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Fisch-Otter, Ein schädliches Raub-Thier, welches auf der Erde sowol, als im Wasser sich aufhält. Seine Länge erstreckt sich vom Kopff bis zum Ende seines Schwantzes manchmal bey nahe auf drey Ellen, auch drunter, ie nachdem er alt ist. Er hat einen dunckelbraunen Balg von kurtzen, glatten und gläntzenden Haaren, welcher Sommer und Winter gut bleibet, und sich nicht, wie andere Thiere, verhäret. Er hat kurtze Schenckel, mit denen er nicht wohl lauffen kan, einen langen Schwantz und kleine Ohren, wie ein Biber, mit welchen ihn viele Autores, wiewol gantz ungereimter Weise, confundiren. Seine Klauen sind fast den Klauen des Dachses gleich gestaltet, ohne daß die Ballen in seiner Fährte nicht so vollkommen, als beym Dachse zu sehen, auch zwischen den Klauen gleich den Gänsen, mit einer zum Schwimmen dienenden Haut bewachsen sind; seine Tritte aber setzt er meistens zwey und zwey zusammen, wie ein Marder. Wenn er im Sande gehet, hat er die Art an sich, daß er die Spur, wie der Fuchs, mit seinem langen Schwantze wieder zustreichet. Jhr Fleisch oder Wildpret ist zähe und ungesund, wird aber gleich dem Biber von den Carthäusern genossen, als denen sonst ihren Ordens-Regeln nach kein anderes Fleisch zu essen erlaubt ist. Der Balg giebt schöne Muffe, so macht man auch aus demselben Strümpffe, welche denen Podagrischen in ihren Schmertzen grosse Linderung verschaffen; der aufgelegte Balg aber ist gut für den Schlag, Schwindel und Haupt-Schmertzen, und aus den Haaren lassen sich feine Hüte verfertigen, welche vor weit besser, als die Castor-Hüte, gehalten werden. Das Fett soll gut seyn, die verletzten Glieder zu schmieren, die Geilen aber wider das böse Wesen, doch nicht so kräfftig als die Biber-Geilen; so soll auch die im Backofen gedörrte Leber gepülvert, und eingenommen, die rothe Ruhr vertreiben. Die Fisch-Ottern thun grossen Schaden in Teichen und andern Fisch-Wassern, an Karpffen, Hechten, Forellen und andern Fischen, und ist das ärgste, daß sie nur die schönsten und besten Fische angreiffen und heraus fangen, und mehr todt beissen, als sie fressen können, und dieses thun sie meistentheils des Nachts. Vor allen aber fressen sie die Krebse gerne, und zwar mit Scheeren und Schaalen und allem, was daran ist, welches die Losung ausweißt, so dieselbe gerne auf die in denen Krebs-Bächen befindliche Steine zu legen pflegen. Sie wohnen in hohlen Ufern, Werdern und alten hohlen Stöcken von Erlen oder Weiden, unter denen Flut-Betten, Teich-Ständern und verborgenen Löchern, wo allerhand Reiß verworffen. Sie rantzen im Februario, da sie denn des Nachts beym Ausgang mit einem solchen hell-lautenden Pfiffe einander zusammen ruffen, nicht anderst als wie ein Mensch zu pfeiffen pfleget. Jm Majo aber setzen sie ihre Jungen, und zwar gemeiniglich drey bis viere, welche neun Tage blind liegen, ehe sie sehen können, und von der Alten, wie andere vierfüßige Thiere, mit Säugen ernehret werden, bis sie vier bis fünff Wochen alt worden, und also in dem Stand sind, mit der Mutter auszugehen, und kleine Fischgen fangen zu lernen. Wenn die Jungen zwey Jahr alt, so sind sie zu ihrer vollkommenen Grösse gelanget. Sie fischen unter dem Wasser gegen den Strom weit weg, und wenn sie satt worden, lassen sie sich den Strom allmählich zurücke treiben; wird es ihnen zu lange unter dem Wasser, so stecken sie die Schnautzen heraus, und holen mit grossen Brausen Athem, daß man es ziemlich weit hören kan, worüber sie auch öffters von den Jägern oder Fischern erwischet und todt gemacht werden. Sie sollen die grossen Wasser-Güsse voraus mercken, und haben die Fischer ihre Marqve daher, wenn sie finden, daß die Fisch-Ottern ihre Lager oder Gebäude erhoben, und sich also ausser der Gefahr gesetzet, bey der voraus gesehenen, oder aus einem natürlichen Antrieb vorher verspürten Uiberschwemmung der Lufft entbehren zu müssen, und folglich zu ersticken. Sonst ist sich auch zu verwundern, daß sie die offenen Löcher im Eiß also wissen in acht zu nehmen, daß wo das Wasser einen grossen Stück Weges zu, und gefroren ist, sie unter dem Wasser nicht weit wegfahren, um eine andere offene Stätte zu suchen, sondern sie kommen allezeit an dem Ort, wo sie hinein paßiret, wieder heraus, weil sie darunter möchten ersticken; da aber auf hundert Schritte ohngefehr ein Loch vorhanden, das wissen sie richtig zu treffen, und daselbst heraus zu kommen, im übrigen gehet ihr Weg über das Eiß fort, daß sie suchen, wo etwan ein offenes Loch befindlich, da man sie denn in dem Schnee spüren, und ihre Fährte leichtlich erkennen kan. Sie werden mit besonders darzu abgerichteten Hunden, so man Fisch-Otter-Hunde, oder auch nur Otter-Hunde nennet, gehetzet, geschossen, oder mit Fisch-Otter-Netzen gefangen; bisweilen aber pflegen sie sich auch selbsten in denen grossen im Wasser liegenden Fisch-Reusen zu fangen, denn wenn sie Fische darinnen mercken, kriechen sie ihnen nach hinein, weil sie aber alsdenn nicht mit der Schnautze wieder in die Höhe kommen und Lufft schöpffen, vielweniger aber zurücke heraus kommen können, müssen sie also darinnen ersticken.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 781–784Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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