Flug- und Lauff-Schiessen, Jst eine durch fleißige Uibung erlangte Fertigkeit, das Feder-Wildpret im Flug, und etwan einen Hasen oder anderes vierfüßiges Wild im Lauff zu schiessen. Was das Flug-Schiessen, welches auch von einigen das Lufft-Schiessen genennet wird, anbelanget, so ist solches mehr für eine Lust, als gute Wirthschafft zu halten, zumal, wenn in der Brut- oder Lege-Zeit alte Hüner unbesonnen geschossen, dadurch gantze Völcker verderbt, erschreckt und scheue gemacht werden, daß sie hernach mit keinem Treibe-Zeug mehr zu bekommen; so werden auch mit dem Flug-Schiessen öffters viele Vögel getroffen, die nicht gleich fallen, und dennoch unnützlicher Weise verderben müssen: Dem ohngeachtet ist es heut zu Tage grand mode worden, wie es denn auch an sich selbst vor ein edles und schönes Exercitium zu halten ist, wenn nur kein Mißbrauch mit unterläufft. Derjenige, welcher ein guter Flug- oder Lufft-Schütze werden will, muß sich anfänglich fleißig mit Dunst üben, eine still-flatternde Lerche in der Lufft zu treffen, nachgehends ferner versuchen, die nach einem rothen Hündlein an morastigen Wiesen langsam fliegende Kibitze, oder auch Krähen u. d. g. im Fluge zu schiessen, da er denn gewahr werden wird, daß ein mit Flügeln ausgebreiteter Vogel u. ausgestrecktes laufendes Wild leichter zu treffen sey, als ein sitzender Vogel oder drückender Hase, welches ein kleiner Klump, und leichte gefehlet werden kan. Es muß aber die Flinte allezeit gespannt und fertig seyn, auch mit steter und firmer Faust, und scharffem Gesichte parat gehalten werden; hiernächst muß man, wenn etwas aufgestossen, augenblicklich anschlagen, das Korn und flüchtige Wild zusammen fassen, und wohin die Flucht mit dem Kopff gehen soll, nachdem es langsam oder schnell flieget, eine halbe Elle, oder eine Spanne und dergleichen vorhalten, so wird man gewiß nicht leichtlich fehlen. Es ist auch nicht undienlich, wenn man nach einer lauffenden Bosel- oder Schieb-Kugel, oder einem höltzernen Teller, oder in die Lufft geworffenen Hut zu schiessen sich öffters übet, bis man mit der Zeit die schnellsten und kleinsten Vögel, auch die Schwalben treffen kan. Die Flinten zum Lauff- und Flug-Schiessen dürffen nicht übermäßig lang noch schwer seyn, sondern einen mittelmäßigen Lauff und kurtzen Anschlag haben, damit man das Korn desto geschwinder fassen könne. Die Schrote sollen fein rund seyn, das Pulver aber vorhero mit starckem abgezogenen Brantewein etliche mal besprenget, und in ein leinenes Säcklein in die Wärme gehencket werden, weil es davon fein gleich und rasch wird. Die Pfropffer auf das Pulver sind gut, wenn sie von starcken Hut-Filtzen gemachet werden, denn dieser hält die Schrot fein gleiche. Jm Laden wird nach dem Augen-Maaß (nicht nach dem Gewichte) noch einmal so viel Schrot als Pulver genommen, damit wenn ein Körnlein fehlet, doch das andere treffe, und könte man also hierdurch, wenn man einen Stöber-Hüner- oder Wasser-Hund, vor sich her suchen liesse, manche schöne Lust haben, wenn nicht einem in seinem eigenen Gehäge die anfangs gedachte Bedencklichkeit; in fremder Refier aber das: Was du nicht willst, das dir die Leute thun sollen etc. im Wege stünde.