Gang, Weil derselbe ein Stück des Erterieurs eines politen Menschen ausmachet, und daraus die Gemüths-Beschaffenheit desselben soll geschlossen werden können, ferner auch die wohl proportionirte Leibes-Stellung und der zierliche Gang eine der vornehmsten Absichten der Tantz-Kunst ist; so wollen wir hier dasjenige beybringen, was die Herren Tantzmeister davon lehren. Bey einem wohlgefälligen Gange legen sie eine gute und wohleingerichtete Leibes-Stellung zum Grunde. Diese beruhet darauf, daß man 1) die Füsse allezeit müsse gut auswerts setzen, so daß die Spitze von dem rechten Fusse zur rechten, und die vom lincken zur lincken Seite, so viel der Wohlstand leiden will, auswerts stehe; 2) die Beine wohl geschlossen führen; 3) den Unter-Leib zurück und einwerts nach sich ziehen; 4) den Ober-Leib auswerts stossen; 5) beyde Schultern unterwerts zurück ziehen, damit man keinen kurtzen Hals mache, und auch die Brust durch Schliessung der Schultern desto besser vorn heraus bringen könne; 6) den Kopff mit an sich gezogenem Kinn, als welches allemal mit der Stirne in einer Perpendicular-Linie stehen soll, in die Höhe und mit geradem Halse zurück halten, und endlich 7) die Arme natürlich auf die Seite hangen lassen. Hat es nach diesen sieben Grund-Regeln mit der wohlgeordneten Leibes-Stellung seine Richtigkeit, so kan ein zierlicher Gang zu wege gebracht werden, wenn man 1) den Leib auf dem vördern Beine, als auf einer steiffen Stütze, in gutem Gleichgewichte fest und stille hält; 2) den Absatz vom hintern Fusse mit ein wenig gebogenem Knie von der Erde hebet; 3) diesen Fuß vollends erhebt und gebogen bis zu dem vördern Absatz fortbringet; 4) ihn nahe über der Erde einen guten Schuh lang, doch nachdem die Person von kurtzer oder langer Taille ist, gut auswerts und mit recht steiffem Knie vor sich hinweg strecket; 5) solcher gestalt und nett geschlossen niedersetzet; und 6) den Leib in einer Perpendicular-Linie darauf vorbringet, wobey sich der Absatz von dem hintern Fusse mit ein wenig gebogenem Knie in die Höhe hebet.