FeedGavotta, Gavotte
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Gavotta, Gavotte, Ein Tanz und Tanz-Lied, welches aus 2 Reprisen bestehet, deren erstere 4, die zweyte aber gemeiniglich 8 Tacte hat, welche manchmal hurtig, bisweilen aber auch langsam tractiret werden. Jede Reprise fänget im Aufheben ordentlich mit zwey Vierteln oder gleich-geltenden Noten, bisweilen aber mit einer Minima an, und höret sowol im Abschnitte, als am Ende mit einem halben Tacte auf, iedoch finden sich auch beym Abschnitte öfters 2 Viertel. Die erste Reprise soll nicht in den Ton, woraus die Gavotte gehet, sondern in der Terz oder Qvint schliessen, wofern man nicht ein Rondeau daraus machen will. Jhre Zeit-Maasse ist zwar gerader Art, aber kein Vier-Viertel-Tact, sondern ein solcher, der aus 2 halben Schlägen bestehet, ob er sich gleich in Viertel und Achtel theilen lässet. Jhr Affect ist wircklich eine recht jauchzende Freude. Das hüpfende Wesen ist ihr rechtes Eigenthum, keines weges aber das lauffende. Die Welschen Componisten brauchen eine Art Gavotten für ihre Geigen, darauf sie sonderlich arbeiten, welche offt mit ihren Ausschweiffungen gantze Bögen anfüllen, und nichts weniger, aber wol was anders sind, als sie seyn sollten. Doch wenn ein Jtaliener es nur dahin bringen kan, daß man seine Geschwindigkeit bewundert, so machet er alles aus allen. Für das Clavier setzet man auch gewisse Gavotten, die grosse Freyheit gebrauchen, sie treiben es aber doch nicht so arg, als die gefiedelten. Den Ursprung des Nahmens leitet Menage von einem Berg-Volcke in der Französischen Provintz Gap her, und schreiben die Frantzosen dieses Wort Gavote meistens nur mit einem t.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 885–886Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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