FeedRondeau
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Rondeau, Eine Melodien Gattung, welche von ihrer in die Runde gehenden Wiederkehr den Nahmen hat, und mit der Saufhelden ihrem Runda nicht zu verwechseln ist, wird im ¾ oder auch im egalen Tacte gesetzt, und der erste Satz so eingerichtet, daß er den Schluß machen kan. Die andern Reprisen, deren bisweilen 3, auch 4 gefunden werden, müssen sich allemal so verhalten, daß der erste Satz auf iede wohl passe. Die Anzahl der Tacte bey einem Rondeau ist nicht zu bestimmen, doch muß die erste Clausel weder zu lang, damit deren öftere Wiederholung den Ohren keinen Verdruß erwecke, noch zu kurtz seyn, weil sonsten die Chute oder der Fall nicht recht zu bemercken. Acht Tacte sind gar wohl zu nehmen: sie müssen aber recht artig seyn, damit man sie gerne 5 oder 6 mal höre. Und dieser erste Satz heisset eigentlich Rondean, weil er im Cirkel herum gehet; die übrigen Sätze werden nicht wiederholet. Es ist in der Music eben das, was durch das eben also genennete Reim-Geschlechte in der Poesie angedeutet wird. Zum Tantzen wird er nicht so gar oft; desto öfterer aber zum Singen und hauptsächlich zum Jnstrumenten-Concert gebraucht. Es regieret darinne eine Standhaftigkeit, oder vielmehr ein festes Vertrauen, wenigstens läßt sich diese Gemüths-Bewegung sehr gut dadurch vorstellen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1983–1984Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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