Feedl’ Homme de bon Goût
Literatur & SpracheRitter-Exercitien-Lexicon 1742

l’ Homme de bon Goût, Jst ein solcher, der das Gute von dem Bösen, oder das Artige von dem Unartigen zu unterscheiden weiß, und z. E. in Ansehung der Sinne den Klang einer anmuthigen Laute oder einer wohlgestrichenen Violine dem Schall des besten Brumm-Eisens oder der zierlichsten Sack-Pfeiffe vorziehet; in Ansehung des Verstandes mehr hält von des Brockes Gedichten als den Reimen der Meister-Sänger, den Ciceronem, Cujacium, Grotium, Cartesium, höher achtet, als die Scholasticos, Glossatores, Aristotelis Ethic und Petri Lombardi libros sententiarum; in Ansehung des Willens eine vergnügliche und dem gemeinen Wesen nützliche Lebens-Art einer verdrießlichen und pedantischen vorziehet; und in Ansehung der Affecten und Gemüths-Neigungen ein galantes und liebreitzendes Frauenzimmer für eine alberne und närrische Coqvette erwehlet.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1102Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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