Jagd-Hunde, Heisset man insgemein alle diejenigen Hunde, so man zum Spüren, Aufsuchen, Jagen und Hetzen des Wildes gebraucht, als da sind die Leit- und Spür-Hunde, Schweiß-Hunde, Sau-Finder, Stöber-Hunde, Hüner-Hunde, Lauff- oder Parforce-Hunde, (welche auch in specie Jagd-Hunde, und von denen Frantzosen Chiens courants genennet werden) Englische Docken, Bären- oder Bullenbeisser, Pürsch- oder Cours-Hunde, Sau-Rüden, Windspiele, Dänische Blendlinge, Wasser-Hunde, Dachs-Hunde, sowol grosse, den Dachs damit zu hetzen, als kleine, den Dachs in seinem Bau aufzusuchen, welche letztere Art auch Dachskriecher genennet werden, Otter-Hunde und Biber-Hunde; von welchen unter dem Wort Hund, auch unter eines ieden Special-Benennung ein mehrers. Jnsbesondere aber wird, wie nur gedacht, eine Gattung starcker Mittel-Hunde also genennet, welche auch Lauff- oder Parforce-Hunde, und bey den Frantzosen Chiens courants heissen, bey uns Deutschen aber den Nahmen Jagd-Hunde deswegen führen, weil sie dem Wild auf der Fährte nachspüren, solchem nachlauffen, es verfolgen und treiben, auch wegen ihres Zurückebleibens, weil sie nemlich dem Wild im Lauffen nicht folgen können, vor Gram und aus Verdruß laut anschlagen, hierdurch aber das Wild noch mehr erschrecken, furchtsam und flüchtig machen, daß solches sodenn von denen Menschen auf verschiedene Arten gefangen und erleget wird. Es sind dieselben von unterschiedenen Sorten, und von mancherley Farben. Unter allen haben die Frantzösischen und Englischen darinne den Vorzug, weil sie einen ungemein starcken und hellen Laut haben; sie sind insgemein weisser Farbe oder fleckigt, und von langen Ohren wohl behangen. Unter denen Deutschen Jagd-Hunden werden die Pohlnischen, Pommerischen und Cassubischen Hunde vor die besten gehalten, weil sie auf der Spur oder Fährte lange Zeit dauerhafft verharren, und richtig auf derselben verbleiben. Sie sind meistens starcke Hunde, mittelmäßiger Grösse, und von Farben braunröthlich, roth oder Wolff-grau, selten aber schwartz, mit gelben Köpffen und Beinen oder roth gebrannt. Es soll aber ein wohlgebildeter Jagd-Hund vornemlich einen mittelmäßigen doch dicken Kopf, grosse offene Nasen-Löcher, feine Lappen um den Münd, breite Spannen lang hangende dicke Ohren, starcken eingebogenen Rücken, dicke Lenden, breite und fest fleischigte Hüfften, und gerade Knie und Füsse haben, der Schwantz soll abhängigt, oben starck und dicke, unterwerts aber leicht und geringe, hingegen der Bauch haarigt und eingezogen, die Füsse dürre mit harten Ballen, darzwischen mit Haaren bewachsen, mit starcken schwartzen Klauen, sonderlich mit tüchtigem scharfen weissen Gebiß bewaffnet, und mit braunen frisch-gläntzenden Augen versehen seyn. Sie werden zur Kuppel gewöhnet, und so lange an einem Seil oder Schlepp-Riemen geführet, bis sie lernen ohne dem Seil hinter dem Jäger ziehen, und zurücke bleiben, auch sich zusammen halten. Erstlich kuppelt man Hund und Hündin zusammen, daß sie einander nicht beissen; hernachmals, wenn sie meistens ein Jahr alt, werden ein paar junge Hunde mir einem alten gekuppelt, und hinter einen Hasen zu jagen angeführet, damit sie, weil der Hase mit seiner süssen Witterung und seinem niedrigen Leibe das Laub und Gras berühret, folglich solche Witterung lange dauret, der Spur zeitlich gewohnen, so werden sie nachmals von sich selbsten das Reh, und nach diesem den Hirschen, als welcher ohne dieß eine weit stärckere Witterung hat, weit emsiger suchen, und von den Hasen gutwillig ablassen. Doch muß solches Jagen mit jungen Hunden ungezwungen im freyen Holtze, keinesweges aber in Tüchern oder einem andern eingesperrten Orte geschehen, weil sie sonst, wenn sie das Wildpret stets vor Augen haben, den Kopf in die Höhe tragen, sich umsehen, allem Lebendigen nachlauffen, die Vögel verfolgen, aber keine Nase zur Erden brauchen, endlich gar die Spur, welcher wegen sie doch gehalten werden, lassen und übergehen, auch durch vieles Umwenden und Abspringen in der Spur irre werden, daß sie weder suchen noch jagen lernen. So soll auch mit jungen Hunden kein Fuchs, vielweniger im Schnee, Regen und starckem Winde, auch nicht im Frost oder Thau gejaget werden. Zum Fraß soll man ihnen Brot von Korn-Gersten- und Haber-Mehl backen, solches fein klein schneiden mit einer Metze oder mehr Haber-Schrot untermischen, mit siedend heissem Wasser ein brühen, und iedesmals zugedecket, etliche Stunden erweichen lassen. Man kocht ihnen auch in einem Kessel mit Wasser zerspaltene Klauen, von zahmen und wilden Thieren, Marcks-Knochen, Rinder und Schafs-Köpffe, rühret unter die fette Brühe eine Metze Mehl, und giebt es ihnen, so laulicht, daß man einen Finger darinne leiden kan, in ihren Fraß-Trog, welchen man gerne von Eschen-Holtze machen läßt. Der
Leit-Hund ist der vornehmste, und bedienet sich dessen der Jäger, dem Wilde nachzuspüren, führet ihn an einem Riemen an seinem Leib-Gehencke, u. lässet sich vom Hunde auf der Fährte hinziehen, daß er wissen kan, wo sich das Wild aufhält, und wie es beschaffen sey. Der
Spür-Hund ist gleicher Art, gehet aber los, und hat nebst dem Leit-Hunde solchen guten Geruch, daß er allein demjenigen Wilde folget, dem er zuerst nachgesucht, ungeacht viel andere Creutz-weise darüber gegangen. Der
Schweiß-Hund folget dem angeschossenen Wilde nach, und stellet solches, daß man es zu einem Schuß bringen, oder wenn es schon gefallen, finden kan. Nach den Schweinen ziehet man auch mit einem Leit-Hunde, als wie nach den Hirschen. Man hat auch mittelmäßige Hunde, vor denen sich das Schwein nicht entsetzet, sondern Stand vor ihnen hält, diese lauffen so lange um das Schwein herum und bellen, bis ihm der Jäger einen Schuß anbringen kan. Mit den grossen Schwein-Hunden aber wird das Schwein gehetzet; diese müssen gute Pantzer und stachlichte Halsbänder haben. Die Englischen Dogues sind hierzu gut. Die Dachs-Hunde, so klein und niederträchtig, müssen in die Dachs-Löcher kriechen, und dem Dachs allda nachgreiffen. Man hat auch grosse Hunde, damit man den Dachs des Nachts, wenn er seiner Nahrung nachgehet, hetzet. Die
Windspiele braucht man Hasen und Füchse zu hetzen. Die Stockhärigen Türckischen Windspiele sind die besten. Die
Schiemer oder Retter sind eine Art Windspiele, welche, wenn der Hase gefangen die andern davon wegbeissen, daß sie ihn nicht zerreissen. Etliche bringen den Hasen wol gar im Maule dem Herrn entgegen. Es ist auch von Windspielen und Englischen Dogues eine bastardische Art, welche gut für die Füchse, denn sie starck, beißig und hurtig sind. Die
Chiens courans par force oder Lauf-Hunde, haben ihren Ursprung aus der Tartarey, von dar sie nach Franckreich gebracht worden. Man hetzet damit Hirsche, Rehe und Hasen. Jst eine Art Stöber, die ein Thier verfolgen, bis so lange es müde wird, daß es von dem nacheilenden Jäger kan gefangen werden. Die
Wasser-Hunde braucht man, wenn man etwas auf dem Wasser geschossen, solches wieder heraus zu holen, worzu die Englischen Barbets und Dänischen Blendlinge die besten sind. Sie werden auch gebraucht die Fasanen zu schiessen, da sie sich vor selbige stellen müssen. Die
Vögel- und Wachtel-Hunde müssen dieselbigen aufsuchen und sich vor ihnen stellen, sind die trefflichsten unter den Hunden, wenn sie gut und wohl gerathen, sind aber dabey schwer abzurichten. Die Baitz-Hunde müssen das Geflügel oder Hasen aufjagen, und dem Raub-Vogel auch solches hernach halten helffen, worzu sie denn wohl müssen gewöhnet seyn, daß sie selbigem nichts thun, auch nicht den Raub anfallen.