FeedJambus
Literatur & SpracheRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Jambus, Ein Klang-Fuß, hat seinen Nahmen von stachlichten, anzüglichen Gedichten, weil man sich seiner bey den Satyren zu bedienen pflegte. Er hat in der Music den ungeraden Tact gleichsam zu seinem besondern Eigenthum; wiewol er in der geraden Zeit-Masse, vornehmlich in Sechs- und Zwölf-Achtel-Tacte kein Fremdling ist. Jn den Menuetten ist der Jambus gerne mit dem Trochæo vermischt, und daselbst häuffig anzutreffen, wie denn auch die Pohlnischen und Deutschen Täntze keinen Mangel daran leiden, zumal die sogenannten Proportionen. Die Deutschen nennen dergleichen rhythmische Veränderung aus einem geraden Tacte in einen ungeraden, Vortanz und Aufsprung. Jn den Vortänzen regieret der Spondeus ziemlich, in den Aufsprüngen aber hat der Jambus das meiste zu sagen. Die Eigenschafft des Jambi ist mäßig lustig, nicht flüchtig oder rennend. Die rechte Sicilianische Sing- und Spiel-Art, worinne der Jambus grösten theils herrschet, hat was sehr zärtliches und eine edle Einfalt an sich.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1159–1160Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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