FeedKarren-Büchse
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Karren-Büchse, Jst ein Feuer-Gewehr, so auf einem Karren, welches der Schieß-Karren genennet wird, festgemachet ist, die wilden Gänse, welche sonst, als schlaue, arglistige Vögel, nicht wohl zu schiessen sind, damit zu hinterschleichen, und zu fällen. Der Karren hat 2 Räder, hinten an demselben ist eine starcke eiserne Gabel, die man mit einem Gewerbe, hin und wieder, hoch und nieder wenden kan; in dieser Gabel lieget ein Doppel-Hacken oder grosses metallenes Rohr mit einem Feuer- oder Büchsen-Schloß, und rechten Schafft wie ein Ziel-Rohr mit einem beqvemen Anschlag und Absehen, das wird mit einem eisernen Durchzug an die Gabel fest gemacht, daß es nicht wancken oder stossen kan; vornen an dem Wagen sitzt der Weidemann, der das Pferd lencken, und zugleich, wo er von wilden Gänsen etwas in den Feldern verspüret, es von ferne sehen kan; er muß aber nicht gerade auf sie zufahren, sondern einen weiten Umschweiff, als wolte er neben weg und vor sie vorbey, für sich nehmen. Wenn er nun vermeint, seitwerts nahe genug zu seyn, hält er mit dem Karren still, richtet seine Büchse, nimmt das Absehen, und schießt ie schneller ie besser, weil sie auf vier oder fünfhundert Schritt selten einen lassen zu sich nahen; das Rohr wird mit grossen Schroten-Hagel oder grossen Lauff-Kugeln geladen. Etliche machen sich von Blech Ladungen, Patronen und Cartätschen, füllen sie mit grossen Schroten, so können sie ihre Ladungen desto geschwinder vollbringen; auf diese Weise wird man oft vier, fünf oder sechs wilde Gänse auf einen Schuß bekommen. Diese Karren-Büchsen werden auf grossen Teichen und Seen, auch in grossen, weiten ebenen Feldern gebraucht.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1201–1202Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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