Schieß Pferd, Schuß-Pferd, Treibe-Pferd, Jst ein zum Weidewerck dergestalt abgerichtetes Pferd, daß es nach dem Willen des Weidemanns den Kopff beständig auf der Erden hält, als ob es grasete, auch sich von demselben nach Gefallen vor sich, hinter sich, und auf die Seite treiben läßt, damit man das Wildpret desto leichter hinterschleichen, ohnvermerckt desselben zum Schuß kommen, und es also sällen möge. Es muß ein Wallach, und zwar, was die Farbe anbelangt, ein Lichtbraun oder Lichtfuchs seyn, weil diese Farben sehr gemein, und das Geflügel oder grosse Feder-Wild derselben am meisten gewohnet ist. Je grösser und höher man das Pferd hierzu haben kan, ie besser ist es, damit sich der Weidemann hinter ihm nicht so viel bücken dörffe. Ein solches Pferd nun abzurichten, soll man ihm ein starckes, doch nicht scharffes Nase-Band, mit zweyen Zügeln anlegen, die zwey vördern Füsse mit Fesseln spannen, und an einen ieglichen Fuß einen Zügel von dem Nase-Band, iedoch anfänglich nicht zu niedrig binden, damit es erstlich gewohne und verstehe, was man von ihm haben will. Denn durch solches Binden wird es gezwungen, den Kopff unter sich, und zur Erden zu halten, als wolte es grasen oder weiden. Also gebunden soll man das Pferd fortgehen und wiederum stille stehen lassen, wenn es denn stehet, um dasselbige herum gehen, es schmeicheln und klopffen, nachmals wieder etliche Schritte vorwerts schreiten, und wenn es also durch die stete Uibung fortgehet und stehet, so offt man will, soll man den Hahn am Rohr oder an der Flinte auf- und abziehen, und offtermal schnappen lassen, auch bisweilen nur mit Pulver über dem Pferd los brennen, damit es des Auflegens und Schiessens gewohne, und wenn es darzu stille stehet, soll man es careßiren, ihm schöne thun, und ein wenig Gras oder Haber zu fressen geben, so wird es verstehen lernen, was es recht oder unrecht thut. Hat man es nun eine Zeitlang so geübet, daß es alles willig und gerne thut, soll man ihm die Riemen an den Füssen los lassen, und versuchen, ob es ungebunden grasen will, und wenn es also mit Niederhaltung des Kopffs, sich willig und gerne führen lässet, soll man aufhören, und es auf einmal nicht zu sehr exerciren. Hernach soll man es gewöhnen, daß es sich treiben und wenden lasse, auf welche Seite man will, und so offt es anfangs einen Schuß leidet, muß man ihm allewege etwas zu fressen geben, so wird es endlich das Schiessen gerne hören und es willig leiden. Eine andere Manier, ein Schieß-Pferd abzurichten, ist folgende: Man erwehlet ein Pferd, so nicht scheu, noch gar zu hitzig, vielweniger untreu ist, sondern das den Schuß wohl von Natur verträgt. Dieses machet man anfänglich unter dem Reuter im Schritt und Trab wendig, gelind auf den strickenen Kapp-Zaum, und sowol um den Pilier, als ohne denselben, verkehrt und gerecht den Schenckel weichen; wenn es dieses unter dem Reuter willig thut, alsdenn bringet man es dahin, daß es sich von einem zu Fuß, eben so vor sich, hinter sich, seitwerts und um die Seule treiben lässet, auch auf der Schieß-Halffter gelind ist, und sich damit leiten läßt. Hierauf nun muß man ihm den Kopff von sich selbst, als ob es grasete, auf den Boden tragen lernen. Darzu nimmt man grün Siegel-Wachs, machet zwo Kugeln so groß als Tauben-Eyer daraus, wickelt solche Kugeln in eine Blase oder reines Tüchlein, ziehet einen doppelten Bind-Faden durch, und machet in der Mitte einen grossen Knoten, damit man die Kugel nach Belieben wieder aus den Ohren heraus ziehen könne, doch daß ja nichts von dem puren Wachs ins Ohr falle, als welches dem Pferde sonsten höchst schädlich wäre. Von diesen nun stecket man in iedes Ohr eine, machet sie aber zuvor weich, um sie desto besser hinein drucken zu können; alsdenn legt man ihm die Schieß-Halffter an, und arbeitet ihm auf der Nase gemächlich damit, so wird es in einer oder zwey Stunden von sich selbst, und ohne Hülffe des Spring-Gezeugs, die Nase auf den Boden halten, auch den Schuß desto weniger hören, und solchen um so viel lieber vertragen. Wenn man dieses des Tages zweymal treibt, so wird das Pferd, wenn man nur gelinde mit ihm umgehet, und es nicht mit Schlägen tractiret, den Kopf beständig an der Erde halten, auch in wenig Tagen sich zurücke ziehen und auf die Seite treiben lassen, wie es ihm vorhero unter dem Reuter gewiesen worden. Wenn nun ein solches Pferd, seine Dienste zu thun ausgeführet werden soll, muß man solches nicht alsobald gegen das Feder-Wild gerade zu treiben, sondern es contrair gegen den Wind führen, bald von, bald zu dem Wild treiben, auch hin und her wenden, damit das Feder-Wild vor dem Pferde sicher gemacht werde, sonsten, wenn es den Wind von den Menschen ein wenig inne wird, stehet es alsobald auf, und die Federn tragen das Fleisch davon.