Lerchen-Netze, Lerchen-Garn, Sind eine Art Netze, deren man sich beym Lerchen-Fangen bedienet. Man hat deren zweyerley Sorten, nemlich Nacht-Garn oder Nacht-Netze, und Klebe-Garn, Klebe-Netze oder Tage-Netze. Das Nacht Garn hat seinen Nahmen von der Zeit, denn man kan sich dessen nicht bey hellem Tage, sondern bey dunckler und finsterer Nacht-Zeit bedienen. Ja, wenn auch der Mond des Nachts nur ein wenig scheinen solte, würde er dem Fange mit dem Nacht-Garn hinderlich fallen, gestalten ie dunckler die Zeit ist, ie besser dieser Fang vor sich gehet. Die Klebe-Garn oder Tage-Netze werden bey Tage ordentlich mit Furckeln aufgestellet und bey heller Abend-Zeit die Lerchen darein getrieben. Jhre Höhe erstrecket sich ohngefehr auf anderthalbe Claffter, die Länge aber, nach Belieben auf zwölff bis funffzehn Clafftern, und müssen von starcken ungezwirnten ungebleichten Garn fein subtil, damit sie desto gefängiger seyn, gestricket werden. Die Maschen müssen so weit seyn, daß ein dieses Weidwercks unerfahrner auf die Gedancken gerathen möchte, die Lerchen würden nicht darinnen kleben oder hängen bleiben, sondern müsten durchfliegen können, welches aber gleichwol wegen weiter Ausbreitung ihrer Flügel nicht seyn kan. An dem obern Theil dieser Netze sind von Horn oder Bein gedrechselte Ringlein, etwan einer halben Spannen weit von einander angehefftet, damit man sie an die Leinen anfassen, und im Stellen geschwinde aus einander, und, nach vollendetem Fang wieder zusammen ziehen, und von den Furckeln abnehmen kan. Diese Netze werden daher Kleb-Garn oder Kleb-Netze genennet, weil die Lerchen, welche beym Eintreiben wegen der Abend-Zeit und Demmerung das Garn nicht beobachten können, gleichsam daran kleben bleiben. Zehen solche Netze müssen eilff Furckeln haben, welche iedoch nicht plump, auch nicht so geschwanck seyn müssen, daß sie sich biegen; die besten und leichtesten werden von Tännen-Holtz gemacht.