Lerchen streichen, Heisset die Lerchen entweder mit den Nacht-Netzen fangen, oder vermittelst einer langen Linie in die Kleb-Garne jagen. Die erste Art geschiehet bey der Nacht also: Wenn das Nacht-Garn, völlig verfertiget, und an ieder von den beyden schmalen Seiten eine lange Stange angebunden ist, breitet man des Abends, wenn es finster wird, und der Mond nicht scheinet, das Netze auf der Erden aus, alsdenn fassen es zween bey den Stangen rechts und lincks, hinten aber gehet einer, der den Schweiff des Netzes fein niedrig bey der Erde nachträgt; also gehen sie etliche Furchen, so viel das Netz überreichen kan, auf, und an den nächsten Furchen wieder ab, und, so was unterm Netze flattert, pfeiffen sie einander, legen das Netze nieder, würgen die Vögel, ziehen sie durch das Netze heraus, und gehen sodenn weiter fort; wenn es nicht gantz sinster ist, müssen sie geschwinder gehen, als bey stocksinstern Nächten, da man nur langsam fortschreiten darff. Wer auf diesem Weidwerck was nützliches verrichten will, muß eigentlich den Ort wahrnehmen, wo die Lerchen gegen Abend hinfallen, und denn des Nachts mit dem Netze dahin gehen. Die Witterung soll trocken seyn, weil bey nassem Wetter nicht nur die Netze übel zugerichtet und besudelt werden, sondern auch die Vögel bey solcher Zeit nur gerne an erhöheten sträuchichten Orten, wo man mit den Netzen wenig ausrichten kan, zu liegen pflegen. Etliche sind der Meinung, die mit den Nacht-Netzen gefangene Lerchen sollen besser seyn, als die bey Tage gefangen worden. Mit den Nacht-Garnen zu gehen, wird ausser denen, so die Jagd-Gerechtigkeit besitzen, sonst billig allen andern verboten, weil damit nicht allein die Lerchen, sondern auch die Wachteln, ja wol gar gantze Völcker Rebhüner und anderes im Feld übernachtende Feder- und anders Wildpret, als junge Hasen und dergleichen dadurch hingerafft und verderbt, aufs wenigste verjaget werden.
Die zweyte Art des Lerchen streichens mit den Tage-Netzen oder Kleb-Garnen wird folgender Gestalt vorgenommen. Wenn die Erndte vorbey, und die Zeit heranrücket, da der Lerchenstrich anzugehen pfleget, erwehlet man einen gelegenen Platz auf den Stoppeln, stellet die Klebe Garn, deren man wenigstens dreyßig, bey grossen Plätzen auch mehrere haben muß, mit den darzu gehörigen Lerchen-Furckeln, in dreyen Zeilen etwan zwantzig oder mehr Schritte hinter einander dergestalt auf, daß sie oben an den Leinen mit den Ringeln gantz aus einander gezogen sind, unten aber etwan eine Elle, oder auch nicht gar so weit von der Erden hangen, und sonst gegen den Boden und beyde Seiten gantz frey schweben. Sowol lincks als rechts an den aufgestellten Netzen befindet sich ein Gestelle mit einem Haspel, worauf eine sehr lange Leine gewunden ist. Wenn nun etwan um drey Uhr Nachmittags die Garn auf die Furckeln gehänget werden, und man damit fertig ist, wird an eine iede Leine ein Pferd oder Ochse vermittelst eines Ort-Scheites angespannet; derjenige, so auf dem Pferde sitzet, oder den Ochsen regieret, ziehet sodenn mit der Leine, welche von der dabey stehenden Person abgewunden wird, allmählig fort, und die dazu gestellte Jungen schleppen in gewisser Distantz von einander die Leine nach, sowol dem Pferd oder Ochsen den Zug zu erleichtern, als auch der Leine, wenn dieselbe etwan wo hängen bleiben solte, nachzuhelffen. Sind die Leinen auf beyden Seiten völlig abgewunden, so wird den Personen, die bey dem Zug-Vieh sind, ein Zeichen gegeben, oben im Bogen zusammen zu rücken, wenn solches geschehen, spannt man die Pferde oder Ochsen ab, hänget beyde Leinen zusammen, und fänget bey den Netzen an, dieselben wieder aufzuwinden, die rings herum an der Leine ausgetheilte Jungen gehen erstlich Fuß vor Fuß fort, damit die Lerchen nur sachte aufstehen, und auf dreyßig mehr oder weniger Schritte sich wieder niedersetzen, und also treibet man sie offt gemächlich auf, bis sie ohngefehr viertzig bis funfzig Schritt vor den Netzen sich gelagert haben, denn läßt man die Treiber stärcker gehen, und endlich gar auf sie los lauffen, so schiessen sie, von Furcht und der hereinbrechenden Nacht geblendet, mit Hauffen in die Garne, daß man, wo es einen guten Strich hat, etliche hundert auf einmal fänget. Weil hiebey das meiste daran gelegen ist, daß man die Treibe-Zeit recht treffe, indem die Lerchen, wenn das Treiben zu frühe oder zu spate geschiehet, entweder sich zurücke begeben, oder in die Höhe fliegen, folglich alle angewandte Mühe und Unkosten umsonst und verlohren sind; So ist es gut, wenn man bey diesem Fang, und indem man mit den Leinen eintreibet, eine Person dabey hat, die es verstehet, und den Treibern entweder mit einem Hörnlein, oder auch mit einem Lauten Pfeifflein zu rechter Zeit ein Merckzeichen zum Stillestehen giebt, damit die Lerche sich setzen, und sich nicht zu hoch oder wol gar über die Garn schwingen, sondern noch vor denselben niederfallen möge, um hernach, wenn sie nahe genug dabey, desto eilfertiger in gedachte Garne gejaget zu werden. Sie verwickeln sich so hart, daß sie übel auszulösen sind, das vornehmste ist, die Füsse recht auszuledigen, da denn der Leib schon hernach gehet. Bisweilen kommen auch Wachteln, Schnepfen und Rebhüner hinein, wovon die beyden letztern einen grossen Riß in das Garn zu machen, und, wo man nicht bald darzu kommt, sich gar los zu reissen pflegen. Dieses Weidwerck will ein stilles und heiteres Wetter haben; denn wenn es windig ist, muß auch diese Uibung vergeblich seyn, weil die subtilen Gärnlein von den Winden gar zu leichtlich aufgehoben werden, daß die Lerchen unten durchfliegen, und also nicht gefangen werden können. Wenn Frauenzimmer, oder etwan sonst ansehnliche Zuschauer vorhanden, können sie wol beyderseits etliche zwantzig bis dreyssig Schritte von den Netzen stehen oder sitzen bleiben: Denn also sehen sie nicht nur, wie die Lerchen in die Netze einfallen, sondern es können die Lerchen sich destoweniger seitwerts begeben. Wenn die gefangenen Lerchen gewürget, und aus den Garnen mit Bescheidenheit ausgenommen worden, muß man diese wieder zusammen ziehen, abnehmen und in die darzu gehörige Säcklein stecken, die Leinen vollends aufwinden, und alles zusammen bis auf die Furckeln und Gestelle zu den Leinen, welche bis zu Ende des Lerchenstreichens auf dem Felde stehen bleiben können, auf dem grün angestrichenen Lerchen-Wagen wieder nach Hause und an behörigen Ort schaffen.