Lyra, Leyer, Ein uraltes mit Saiten bezogenes Spielzeug oder Jnstrument, worauf das gantze Systema der Alten erbauet und gegründet worden, welches Mercurius aus einer gefundenen dürren Schildkröte, daran er mit dem Fusse ohngefehr gestossen, und von deren Klange Gelegenheit genommen, solches Jnstrument zu verfertigen, soll erfunden, und dem Apollo für die demselben gestohlne aber zurückgegebene Rinder abgetreten haben. Sie soll aber damals nur 3 Saiten gehabt haben, deren erste gegen die zweyte ein Semitonium, und die zweyte gegen die dritte einen gantzen Ton ausgemacht, z. E. H, c, d. Apollo soll die 4te Saite, Coroebus die 5te, Hiagnis die sechste und Terpander die siebende Saite hinzugethan haben. Jn solchem Zustande soll sie bis auf Pythagoram, oder nach andern dem Lycaon geblieben seyn, welcher die achte Saite hinzugefüget, um die unterste und oberste mit einander einstimmend zu machen. Timotheus soll sie mit der 9ten, 10ten und 11ten vermehret haben, zu welchen noch fünf Saiten, von wem aber, ist unbekannt, hinzugekommen. Wiewol andere wollen, Apollo habe seine Leyer mit 7 Saiten bezogen, weil er so viel Monate im Mutterleibe gelegen, daher bey den Argivis bey hoher Strafe verboten, sich nicht mehrerer Saiten zu bedienen. Wiederum andre sagen, Apollo habe 9 Saiten auf seine Leyer gezogen, nach der Anzahl der 9 Musen, oder auch gar 10, weil er selbst mit den Musen 10 Personen ausgemacht. Bey so vielen verschiedenen Meinungen läßt sich von der wahren Beschaffenheit dieses Jnstruments nichts zuverläßiges sagen. Lyra trichordis, die Leyer mit 3 Saiten; quadrichordis, mit 4; hexachordis, mit 6, und septachordis, mit 7 Saiten.