FeedMähne
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Mähne, Heissen die langen Haare, welche oben auf dem Hals eines Pferdes sitzen, und demselben zur Zierde dienen. Die Mähne an einem Pferde soll weder zu dicke noch zu dünne, auch nicht zu kurtz seyn; wenn sie bis auf das Schulterblat reichet, so ist sie lang genug, ist sie aber länger, so ist es desto schöner. An edlen und kostbaren Haupt-Pferden sollen die Haare an der Mähne nicht hart und kraus, sondern lang und zart seyn, weil grobe Haare ein gleiches Temperament anzeigen, da hingegen starcke, krause und spitzige Haare an Kleppern und arbeitsamen Rossen wohl paßiren mögen, weil sie eine Anzeigung ihrer starcken und dauerhafften Natur sind. Etliche Pferde haben in der Mähne Jüdgens-Zöpfe, (Schrättel-Zöpffe oder Pülverts-Zoten) dergleichen sonderlich bey denen Pohlnischen und Ungarischen gefunden werden; denen soll man rohes, frisches oder dürres Jgels-Fleisch zu fressen geben, und die Haare mit Jgels-Fette schmieren. Die Stall-Knechte müssen angewiesen werden, allezeit, ehe sie anfangen, die Mähnen derer ihnen zur Wartung anbefohlenen Pferde auszukämmen, vorhero die verwirrten Haare mit den Fingern aus einander zu richten, hernach die Mähnen im Kämmen von einer Seiten auf die andere zu werffen, das Kämmen selbsten aber mit einem trockenen Kamm zu verrichten: denn obwol einige in den Gedancken stehen, daß, wenn der Kamm vorhero genetzt würde, die Haare desto hefftiger wachsen müsten; so irren doch dieselben hierinnen gar sehr, weil das Wasser nicht nur die Haare hart und ungeschlacht macht, sondern es legt sich auch der Staub nur desto fester in die Haare. Die Engelländer pflegen ihren Pferden die Mähnen zu scheren und die Schweiffe abzustutzen, welches ihnen iedoch andere Nationen nicht nachmachen wollen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1395–1396Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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