Mathesis, Mathematique, Mathematic, Dieses Wort heist dem Ursprunge nach, welchen es aus der Griechischen Sprache hat, eine iede Disciplin oder Wissenschafft, die man in Schulen lehret und lernet. 2) Jn dem gemeinen Gebrauch aber bedeutet dasselbe einen Begriff aller derjenigen Wissenschafften, welche lehren, wie man die Grösse aller Dinge nach Zahl, Maaß und Gewichte genau und kunstmäßig erkennen, und hierdurch dem menschlichen Geschlechte allerhand Nutzen schaffen kan. Diese Mathematische Wissenschafften sind folgende: 1) die Allmeß-Kunst oder Wissenschafft von der Grösse insgemein, 2) die Rechen-Kunst, 3) Stell-Kunst, die Auflös-Kunst, 4) die Meß-Kunst, 5) die Triangel-Rechnung, 6) die Welt-Beschreibung, welche unter sich begreifft 7) die Himmels-Wissenschafft, 8) die Erd-Beschreibung, 9) die Zeit-Rechnung, 10) die Sonnen-Uhren-Wissenschafft zusamt der Uhrwercks-Kunst, 11) die Wissenschafft der Schwere, 12) die Hebe-Kunst, 13) die Gesicht-Kunde samt der Perspectiv-Kunst; 14) die Bau-Kunst, welche zweyerley, die Fortification und Civil-Bau-Kunst, 15) die Music oder Singe-Kunst, 16) die Artillerie-Kunst, 17) die Schiffbau-Kunst, die Schiffahrt, 18) diejenige, so von der Schwere der flüßigen Cörper und von den Wasser-Künsten handelt. Einige schieben mit ein 19) die Stern-Deutung, 20) das Punctiren, und andere dergleichen Wahrsagers-Künste, welche aber gantz unartige Kinder einer so feinen Mutter sind. Daß denen von Adel, die Mathematischen Wissenschaften in der Jugend zu erlernen, mit Recht angepriesen werden, siehet man aus derselben augenscheinlichem Nutzen, sowol im gemeinen Leben, als in der Haushaltung, im Kriegs-Wesen, in Cameral- und andern Sachen. Ob selbige sich aber in der Trigonometrie, Astronomie und Algebre sonderlich zu vertieffen Ursache haben, solches dürffte eine andere Frage seyn. s. Lex. Math.