Mayntz, Mayence, Moguntia, Eine grosse, schöne und wohlerbauete Ertzbischöfliche Stadt, auf einem Hügel, nahe bey dem Einfluß des Mayns an dem Rhein gelegen, hat eine Citadelle, welche mit einem tieffen Graben umgeben, die Ring-Mauren sind von Ziegelsteinen ausgesetzet, und regular fortificiret, die Contrescarpe ist vortreflich eingerichtet. Sie hat ein herrliches Schloß, Martinsburg genannt, darinnen der Churfürst zu residiren pfleget, und eine hohe Schule, welche An. 1482 ist fundiret worden, allwo der Dom zu S. Martin, und die sehr alte Capelle, dabey die S. Jacobs-Abtey; S. Joannis, S. Ignatii Kirche, das Jesuiter-Collegium, der neue Bau und das Rathhaus zu besichtigen; über den Rhein gehet eine Schiff-Brücke nach dem Städtgen Cassel. Die dasigen Festungs-Wercke zu vermehren und zu verbessern, wurden 1735 von dem Reiche 2 Römer-Monate verwilliget. Zu Mayntz ist auch von der Ritterschafft des Rheinstroms Anno 1480 den Sontag nach Bartholomäi der neun und zwantzigste Turnier gehalten worden, darunter keine Fürsten, sondern 4 Grafen, 3 Freyherren und 33 Ritter und Edle waren. Folgende vier waren verordnet zwischen den Säulen zu halten, als Herr Lutz von Rothenhahn, Ritter, als ein Francke, Herr Gottschalck von Harph, Ritter, als Rheinländer, Ulrich von Breitenstein als ein Bayer, Eberhard von Hürnheim als ein Schwabe, und derjenige, so nicht zugelassen worden, war Hans von Pfeffenhausen. Von dieser Stadt führet den Nahmen der Ertz-Bischof zu Mayntz, welcher unter den Churfürsten des Heil. Römischen Reichs die oberste Stelle hat, und Ertz-Cantzler des Heil. Römischen Reichs in Deutschland, wie auch Decanus des Churfürsten-Collegii ist. Er hat allein das Recht, die andern Chur-Fürsten sowol zum Wahl-Tage eines Römischen Kaysers oder Königes, als auch zu den Chur-Fürsten- und Collegial-Tagen zu beruffen. Er verfasset bey einer Wahl die Kayserliche Capitulation, verwahret das Kayserliche Jnsiegel, wie auch das Reichs-Archiv, führet bey Reichs-Tagen das Directorium, und verrichtet die Kayserliche Crönung in seinem Ertz-Bißthum, wenn sie aber ausserhalb seinem und dem Cöllnischen Ertz-Stiffte geschiehet, so verrichtet er sie wechselsweise mit dem Chur-Fürsten zu Cölln. Das Wappen des Ertz-Stifftes Mayntz ist ein silbernes Rad im rothen Felde mit 6 Speichen.