Modi Cantus ecclesiastici, Die 8 Kirchen-Tone sind zur Zeit Kaysers Carls des Grossen aufgekommen, und den Griechen, so sich in der Gesellschafft der von dem Griechischen Kayser nach Aachen geschickten Gesandten befunden, und den Gottes-Dienst daselbst nach ihrer Weise hielten, abgelernet; da vorher nach Pabstes Gregorii M. Einführung deren nur 4 waren, nemlich der Dorius, Phrygius, Lydius und Mixo-Lydius. Wit sich nun diese allezeit in den 4 Clavibus D, E, F, G geendiget: So ist es auch nachgehends dergestalt mit den 8 Tonen gehalten worden, daß ihrer 2 und 2, nemlich der authenticus und plagalis, sich in einem dieser Clavium ordentlicher Weise endigen sollen. Mit der Zeit aber sind sonderlich der 5te und 6te also aus der Art geschlagen, daß sie an stat des in dem Sprengel befindlichen h das b angenommen, und sich folglich in den Modum Ionicum und Hypo-Ionicum transpositum verändert haben. Weil nun einige Sprengel oder ambitus, wenn sie in obgedachten 4 Clavibus schliessen sollten, für die Tenor-Stimme entweder zu hoch oder zu tieff gehen würden, werden sie gemeiniglich transponirt und so gesungen.