Chromaticum Genus, Hat seinen Namen von der Farbe, und ist eines von den 3 Generibus musicis der Alten, wie auch die beste Zierde der heutigen Music, welches entstehet, wenn eine Modulation durch Semitonia majora und minora einher gehet; und überhaupt, so oft man die diatonische und natürliche Ordnung, so zwischen den Tonen ist, verwechselt, indem man solche verändert, und entweder durch das hart-machende Zeichen erhöhet, oder durch das b als das weichmachende Zeichen erniedriget. Dahero sind diejenigen irrig, welche meinen, das Genus chromaticum entstünde, wenn viele hart- oder viele weich-machende Zeichen nach der Clavi signata zu befinden. Es ist alsdenn wol eine vermittelst der chromatischen Zeichen gemachte Transposition; aber, wenn der Gesang nur durch Tonos und Semitonia majora einher gehet, so ist es aufs höchste weiter nichts, als ein diatonisch transponirter Gesang. Daß dieses seine Richtigkeit habe, ist z E. mit einem aus bem G moll gesetzten und mit einer Hautbois versehenen Chor-Stücke gantz klärlich zu erweisen. Denn da die andern Partien und Stimmen aus dem G moll, dessen Vorzeichnung chromatisch ist, moduliren, spielet die Hautbois aus dem A in pur diatonischen Clavibus; ja wenn dieses Jnstrument um eine kleine Terz tieffer als Chor-Ton stehet, muß z. E. in einem aus dem D moll gesetzten Kirchen-Stücke, (so weder in der Vorzeichnung noch anderswo ein b hat, und demnach pur diatonisch ist,) die Hautbois ihre Modulation aus dem F moll, welche zwar wegen der chromatischen Zeichen an und für sich, nicht aber in Absicht auf die mit ihr zugleich einhergehende diatonische Modulation, chromatisch kan genennet werden; es müste denn erlaubt seyn zu sagen, man könne zweyerley Genera modulandi zugleich mit einander anstellen und hören lassen.