Musica, Oder Ton-Kunst, ist eine Wissenschafft die Tone abzumessen, und zusammen zu setzen, und durch Singen und Spielen wohl auszudrucken. Sie wird eingetheilt in die Vocal- und Jnstrumental-Music. Jene begreifft viererley durch gewisse Benennungen unterschiedene Stimmen in sich: als Discant, Alt, Tenor und Baß. Die Jnstrumental-Music aber gehet allein mit musicalischen Jnstrumenten um, als da sind: Orgeln, Geigen, Pfeiffen, Harffen, Lauten etc. Die Sing-Kunst betreffend, so ist dieselbe entweder choralis oder figuralis. Choralis ist, wenn eine oder mehr Stimmen zusammen in schlechter Weise geführet werden. Figuralis ist, wenn eine oder mehr Stimmen auf unterschiedliche Weise eingeführet werden, und daß immer eine Note mehr als die andere gilt, ihre Zeichen auch nicht gleich sind; diese wird heutiges Tages auf fünff Linien verzeichnet, bey dem Choral aber brauchten die Alten nur 4 Linien. Es lehret aber solche Figural-Music, wie man den vorgegebenen Gesang recht zierlich, künstlich und lieblich mit der Stimme singen, oder mit andern Jnstrumenten zusammen stimmen soll, also, daß dadurch die Ohren gerühret, das menschliche Gemüth ermuntert, und das Hertz beweget werde; wie dann Mart. Capella angemercket, daß Xenocrates die Wassersüchtigen durch den Pfeiffen-Ton gesund gemacht; Asclepiades den Tauben vermittelst des starck durchdringenden Halles der Trompeten, das Gehör wiederbracht; Thales von Creta gebürtig, die Seuche der Pestilentz durch seine künstlich gerührte Cither vertrieben, und der berühmte Theophrastus aus der Jnsel Lesbos das Hüfftweh zu seiner Zeit durch die Music curirt habe. Und wer weiß nicht, daß die sonst gifftigen Stiche der Tarantulen durch die Music gelindert und geheilet werden? Nicht allein über die Menschen, sondern auch über die unvernünfftigen Thiere selbst hat die Music eine grosse Krafft, der Poetischen Fabel zu geschweigen, daß Orpheus durch seinen Cither-Klang die Thiere an sich gelocket. Von den Taschen-Krebsen bekräfftiget Doctor Geisner, daß solche denen auf den Röhren pfeiffenden Fischern zu Gefallen aus dem Wasser auf das Land heraus kämen, und die Schwanen sollen dem Cither-Klang nachgehen, den Schafen aber soll die Weide besser gedeyen, wann die Hirten auf einer Schalmey pfeiffen. Nebst diesen pfleget auch die Music die Pferde zu belustigen, wie man siehet in den Feldzügen, und täglich erfähret mans auch bey den Pferden auf der Weide, welche desto lieber bey den Hirten bleiben, wenn sie Sack- oder andere Pfeiffen brauchen, ob sie gleich nicht am lieblichsten lauten, so thut ihnen doch ein solcher Klang der Music wohl. So schreibet man auch insonderheit von den Stuten in Lybia, daß sie das Pfeiffen sehr geliebt, und in Mysia haben sie den Gebrauch gehabt, wenn sie Stuten belegen lassen, so hat man ihnen auf Schalmeyen aufgepfiffen, davon sie desto ehender trächtig worden, und auch schönere Füllen zur Welt gebracht. Sie bestehet vornemlich in 6 Stücken, als 1) in den Clavibus oder Schlüsseln, und allerhand Figuren, welche in der Ton-Kunst vorkommen; 2) in den Noten; 3) in Pausen, 4) in Tripeln, 5) in Benennung der Noten und 6) in den Intervallis oder wie weit eine Note von der andern stehe. s. Musick.