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AllerleiRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Musick, Jst eine Wissenschafft und Kunst, geschickte und angenehme Klänge klüglich zu stellen, richtig an einander zu fügen, und lieblich heraus zu bringen, damit durch ihren Wohllaut Gottes Ehre und alle Tugenden befördert werden. Sie wird in die theoretische und practische eingetheilet. Die Alten theilten sie 1) in Musicam mundanam, worunter sie die Zusammenfügung aller sichtbaren himmlischen Cörper, Sonne, Mond, Sterne etc. die Vermischung der Elementen, ja den gantzen Weltbau verstunden; 2) in Musicam humanam, darunter ward die Vereinigung menschlicher Seelen und Leiber, die Verhältniß eines Gliedes mit dem andern, die Ordnung und Kreis-Kette aller Wissenschafften und Künste, aller Reiche, Stände, Staaten etc. verstanden. 3) Musica Instrumentalis aber war bey ihnen das, was wir Musick nennen. Daß sie ihre Wirckungen zeige in Leibes- und Gemüths-Kranckheiten, sonderlich in Vertreibung der Melancholey, in Erregung und Stillung der Affecten, ist schon oben unter Musica angeführet worden. Sonsten findet man noch verschiedene Beysatz-Worte bey den Schrifft-Stellern, welche sich aber meistens selber erklären, als: Musica activa, artificialis, choralis, colorata, combinatoria, dramatica, Ecclesiastica, figuralis, harmonica, historica, hyporchematica, instrumentalis, manierosa, mathematica, melismatica, melodica, melopoëtica, mensurata, metabolica, metrica, mimica, mixta, modulatoria, muta, occidentaria, odica, organica, pathetica, plana, poëtica, politica, pythagorica, recitativa, rhythmica, scenica, signatoria, speculativa, symphonialis, theatralis, tragica, vocalis, usualis. Da die Music bey den Gemüths-Neigungen sich geschäftig erweiset, und die nützlichen und guten erreget, die bösen und schädlichen hingegen lindert und dämpfet, so kan man sie mit Recht eine Zucht-Lehre nennen. Mr. Rollin sagt davon: Die Music mache die wilden Geister zahm, erweiche das harte und rohe Wesen der Gemüther, polire die Sitten, mache die Leute fähiger zur Zucht-Lehre, verbinde die menschlichen Hertzen auf eine süsse und angenehme Art mit einander, und bringe einen Abscheu zu wege vor allen solchen Lastern, die zur Strenge, Unmenschlichkeit und Frechheit führen. Von dem Endzwecke der Music noch etwas zu gedencken, so ist solcher zuförderst die Ehre Gottes, das Vergnügen und Bewegung der Zuhörer. Uibrigens ist sie ein annehmlicher Theil der Gelehrsamkeit und eine der Theologi am nechsten tretende Wissenschafft.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1551–1553Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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