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Literatur & SpracheRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Opera, Drama musicum, ein musicalisches Schauspiel, welches in Versen bestehet, und abgesungen wird; worbey insgemein allerhand Täntze und kostbare Machinen vorkommen, und die solche agiren, nennet man Operisten, worzu sich die Jtaliener am meisten gebrauchen lassen. Sie ist auch eine Melodien-Gattung, und zwar unter den theatralischen die vornehmste. Sie ist die wahre hohe Schule der Music, und enthält einen Zusammenfluß von allen Schönheiten des Schauplatzes in sich. Die Liebe regieret fast allemal so starck und mit so vielen verwirrten Händeln darinne, daß kaum andere Gemüths-Bewegungen, es sey denn, daß sie aus der Liebe entstehen, Raum darinne finden. Ein Opern-Componist hat auf nichts so sehr zu sehen, als auf die lebhaffte Ausdrückung aller vorkommenden Gemüths-Neigungen. Denn obgleich die Liebe allezeit der Haupt-Affect ist, so erreget sie doch ein Hauffen Unruhe und Bewegungen mit der Eifersucht, Traurigkeit, Hoffnung, Vergnügen, Zorn, Rache, Wut, Raserey etc. so daß der vornehmste Character einer Oper fast in nichts anders als in der Unruhe zu suchen. Jst der Zweck einer Oper tragisch, so muß sich der Gesang auch darnach richten, und lauter majestätische, ernsthafte, klägliche Melodien, nach Befinden der Umstände eingeführet werden. Jst das Ende lustig, so bedienet man sich freudiger, frölicher und anmuthiger Melodien. Jst die Absicht satyrisch, so müssen die Sangweisen hie und da etwas lächerlich, poßierlich und stachlicht heraus kommen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1649–1650Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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