Pastorale, Drama Pastoritium, Ein Schäfer-Spiel, ist eine Piece fürs Theatrum, worinne von Leibes-Händeln und Jntrigven der Schäfer singend und klingend gehandelt wird. Es ist entweder tragique oder comique, und findet sein Kennzeichen, nach welchem sich alle Arten und Theile desselben, insonderheit aber die Melodien richten müssen, nicht in Frolocken und Jauchzen, nicht in prächtigen Aufzügen, sondern in einer unschuldigen, bescheidenen Liebe, in einer ungeschminckten, angebohrnen, doch angenehmen Einfalt. Ein Pastoral mit gutem Beyfall in die Music zu bringen, muß man sich überhaupt solcher Melodien befleißigen, die eine gewisse Unschuld und Guthertzigkeit ausdrücken, und muß der Componist dabey so viel Verliebtes selbst empfinden, als wenn er die Haupt-Person im Spiele vorstellete. Die Heroischen Schäfer-Spiele, wo Könige und Printzen unter verstellter Tracht, ingleichen Götter und Luft-Wagen eingeführet werden, erfodern eine erhabnere Schreib-Art in den dahin gehörigen Vorträgen und Umständen; aber der Haupt-Punct muß doch über alle andere hervorragen. Zwar haben die Schäfer-Spiele ihre Lustbarkeit eben sowol als andere; sie sind aber einfältiger, kindischer und dem Land-Leben gemäß: Sie haben auch Aufzüge und Spiele, aber sie sind nicht prächtig, sondern nur artig. Diesen Eigenschaften müssen die Melodien, so viel möglich, ähnlich seyn.