Parforce-Jagd, Oder wie es auch sonst genennet wird, Lauff- oder Renn-Jagen, ist, wenn das Wild, ohne Garn oder Tücher dabey zu gebrauchen, durch Jäger zu Pferde und Hunde, die in verschiedene Relais oder Vorlagen vertheilet, ihm vorwarten, so lang auf der Fährte verfolget wird, bis es stürtzet, oder ermüdet sich von selbsten niederthut, oder aber von den Hunden zu Stande gebracht wird, daß es durch einen Fang mit dem Hirschfänger erleget werden kan, welches aber bey denen Hirschen ohne Gefahr nicht zugehet, besonders, wenn sie ihr Gehörne vollkommen haben, oder in der Brunst sind, wo man es nicht mit Vortheil anzugreiffen weiß. Wenn der Hirsch erlegt, wird es mit dem Parforce-Horn kund gemacht, der Hirsch ins Gehörne gelegt, der Hals und Gurgel geöffnet, und denen jungen Hunden also warm ihr Genüß gegeben, folglich der rechte Vorder-Laufft abgelöset, und dem Herrn des Jagens präsentiret, endlich das Stücke vollends zerwircket, und, weil dergleichen Wildpret nicht wohl zu geniessen, denen Hunden Preis gegeben, oder, wem es sonst zugehöret, ausgetheilet: Auf den erstern Fall, werden die Knochen und Röhren davon abgesondert; andern Falles aber gehöret das Hertz, Lunge und Leber den Leit-Hunds-Knechten, als ihr Recht, welches dem Leit-Hund, um denselben desto begieriger zu machen, nachdem er an des Hirsches Kopff und Gehörn geführet worden, gegeben wird. Der rechte Vorder-Bug gehöret demjenigen, so den Hirsch bestätiget, der andere aber den Jagd-Junckern. Die innerste Nieren-Brätlein nebst dem Gehörn oder Geweih dem Herrn der Jagd, der Zimmel kommt dem Ober-Jäger-Meister, der Rück-Braten und Keulen denen andern hohen Jagd-Officiern, und der Hals nebst dem Kopff den Hunde-Knechten zu. Die Parforce-Jagd ist nur eine Lust vor grosse Herren, kostbar, weil viele Menschen, Pferde und Hunde darauf gehalten werden müssen, und gefährlich, weil es eine Hals-brechende Arbeit vor Menschen und Thiere ist: Es leidet auch dergleichen nicht eines ieden Landes Gelegenheit; Jn Franckreich und Engelland ist sie sehr gemein, in Deutschland aber erst seit etlichen Jahren an verschiedenen Höfen Mode worden. Die Parforce Jäger pflegen zwar von dem Früh-Jahr an, den Sommer durch, bis in den späten Herbst, auch öffters des Winters, oder wenigstens bis zu Anfang des Novembers zu jagen, und mit dem St. Huberts-Tag, (welchen sie, weil dieser Hubertus eigentlich der Patron der Parforce-Jagd ist, mit einem besondern Festin celebriren,) zu beschliessen; Man hält aber, ausser wenn ein grosser Herr nach seinem Plaisir jaget, vor die beste Zeit zum Parforce-Jagen: Wenn das Wild gesetzet, und die Kälber, so schon etwas erwachsen, mit dem Thiere weichen, der Hirsch aber sein Gehörne geworffen und wieder aufgesetzet, bis zur Brunstzeit: Denn zu solcher Zeit die feisten oder guten Hirsche alleine sich besonders austheilen, und von den andern absondern; in der Brunst aber bey vielem Wildpret schwerlich von dem Hauffen zu trennen, auch einen heßlichen Gestanck haben; nach der Brunst aber sind sie mager, und entkommen dahero die meisten, wiewol auch öffters einige, weil sie abgemattet, gefangen werden; zu geschweigen, daß ausser obigen beqvemsten Zeit, im Früh-Jahr und späten Herbst, Frost, Schnee und Eiß grosse Verhinderniß bey dieser Art zu jagen geben; denn die Hunde haben zu solcher Zeit keine Witterung oder Geruch von der Fährte, lauffen sich auf dem harten Froste wund und lahm, oder gleiten auf dem Eise und verrencken sich. Die Pferde verbellen und vertreten ihren Huff auf dem Frost, auf dem Schnee und Eiß aber werden sie nicht nur am Lauffen verhindert, sondern auch in Gefahr gesetzt, samt dem Jäger oder Piqueur in eine vom Wind verwehete Grube zu stürtzen, oder auf dem glatten Eise auszugleiten, und nebst jenem den allergrößten Schaden zu nehmen; und was dergleichen Verhinderungs-Ursachen mehr seyn, weswegen das Parforce-Jagen bey dergleichen unbeqvemen Jahrs-Zeiten vorzunehmen nicht rathsam ist.