Jäger-Pursch, Wenn ein Hunde- oder Jäger-Junge drey Jahr lang gelernet, so erlangt er den Titel eines Jäger-Purschen, und die Freyheit ein Horn-Fessel zu tragen; iedoch aber, wenn er noch nicht recht wehrhafft gemachet worden, keinen Hirsch-Fänger, es sey denn auf der Reise. Dieser Jäger-Pursch nun muß sich vor allen angelegen seyn lassen, Holtz-gerecht zu werden, und dahero sich nicht schämen, den einfältigsten Aescherer, Kohlen-Brenner, Pech-Hauer, Scheit-Schläger und Zimmer-Mann, um dieses oder jenes Holtzes Beschaffenheit zu fragen; die Fahrten des Wildprets, unter welchen der Hirsch und das Schwein das vornehmste ist, wiewol auch die andern nicht auf die Seite zu setzen sind, muß er sich aufs genaueste bekannt machen, und dieselbe von einander richtig unterscheiden lernen. Damit er auch des Zeug-Stellens vollkommen kundig werde, muß er sich bey Zeiten mit den Zeug-Knechten und Stell-Leuten bekannt machen, damit sie ihn, wenn ein Jagen vorgehet, dazu nehmen mögen, da er denn bey Abführung des Zeugs die Leinen frisch mit anzugreiffen, Hefftel einzuschlagen, feste zu machen, aufzuheben, anzupflöcken, oder was nur nöthig vorfället, mit vorzunehmen hat, wenn er anders die Wissenschafft, den Jagd-Zeug recht zu verstehen, erlangen will. Er muß auch den Leit-Hund recht und gründlich zu arbeiten, und denselben behörig zu tractiren lernen; im Schiessen sowol mit der Flinte im Flug und Lauf, welches anitzo das gebräuchlichste ist, sonderlich aber auch mit dem Pürsch-Rohr Wildpret zu fällen, muß er sich fleissig exerciren, und dahero etwan bey einem Förster, oder anderm Jagd-Bedienten, der viel zu liefern hat, sich bekannt und beliebt zu machen suchen; damit er zu solchem Exercitio desto besser Gelegenheit bekomme.