Pfaltz, Der Chur-Fürst von der Pfaltz, Elector Palatinus, besaß vor dem Westphälischen Frieden die fünffte Chur-Stelle, und des H. R. R. Ertz-Truchsessen-Amt, welches aber an die Hertzoge von Bayern gelanget ist: Seit dem Westphälischen Frieden ist er des Heil. Römischen Reichs Ertz-Schatzmeister, hat bey der Kayser-Wahl die achte Stimme, und dessen Erb-Schatzmeister ist der Graf von Sintzendorf. Bey Erledigung des Kayserlichen Thrones ist er Reichs-Vicarius in den Rheinischen und Schwäbischen Ländern, und wo das Fränckische Recht gilt; welches Vicariat ihm bisher von Bayern streitig gemacht worden: Doch haben sich beyde hohe Häupter schon 1724 dahin mit einander verglichen, daß sie bey erfolgeten Interregnis gedachtes Reichs-Vicariat gemeinschafftlich führen wollen. Weil aber dieser Vergleich noch nicht von dem Kayser bestätiget worden, so haben bey gegenwärtigem Interregno noch nicht alle Stände das gemeinschafftliche Vicariat erkennet. Sonst hat auch der Churfürst von der Pfaltz das Wildfangs-Recht, wie nicht weniger das Recht des Geleites durch die obere Grafschafft Catzenelnbogen, von der Berg-Strasse an bis gen Franckfurt, wie auch in der Marckgrafschafft Baden bis gen Pfortzheim; ingleichen das Schutz-Recht über die Keßler am Rhein und in der umliegenden Gegend. Es hat aber das Durchlauchtigste Haus der Pfaltz-Grafen mit dem Chur-Hause Bayern einerley Ursprung. Denn Ludovicus I, Hertzog in Bayern, Ottonis V, ersten Hertzog in Bayern aus dem Wittelsbachischen Hause, Sohn überkam nach der Achts-Erklärung Henrici Pfaltzgrafens am Rhein, 1215 vom Kayser Ottone IV die Pfaltz, konte aber zu deren Besitz nicht gelangen, welchen sein Sohn Otto illustris durch die Vermählung mit Agnes, Erb-Tochter gedachten Henrici, dem Hause Bayern geruhig erwarb, bey dessen Nachkommen die Pfaltz erblich geblieben, da sie vorher bey unterschiedenen Häusern gewesen. Jn Ottonis illustris Enckeln theilte sich das Haus Bayern in 2 besondere Linien. Denn Ludovicus, welcher 1314 zum Kayser erwehlet worden, ward der Stamm-Vater des Durchlauchtigsten Chur-Hauses Bayern; Rudolphus aber, Churfürst von der Pfaltz, der Stamm-Vater aller Durchlauchtigsten Pfaltz-Grafen am Rheine. Diese blühen gegenwärtig in den 3 Linien, nemlich der Churfürstlichen, welche allein auf Jhro ietzt regierende Churfürstliche Durchlauchtigkeit beruhet; der Sultzbachischen und Birckenfeldischen, an welche letztere das Zweybrückische gelanget, nachdem die Zweybrückische Linie mit Gustavo Samuele 1731 ausgestorben. Die Birckenfeldische Haupt-Linie hat den Ast von Gelnhausen unter sich. Der Chur-Fürst zu Pfaltz führet nunmehro, nach dem 1714 geschlossenen Badischen Friedens-Schlusse, in einem rothen Mittel-Schilde die Kayserliche Krone, wegen des Ertz-Schatzmeister-Amtes, darüber er aber mit Chur-Hannover annoch streitig ist; einen güldenen roth-gecrönten Löwen im schwartzen Felde wegen der Pfaltz am Rhein; ein Feld mit Silber und blauen länglich geschobenen Rauten wegen Bayern; einen schwartzen Löwen im güldenen, 8 güldene Stäbe in Kreis gesetzt im rothen, und einen rothen gecrönten Löwen im silbernen Felde, wegen der 3 Hertzogthümer Jülich, Cleve und Berg; einen blauen Löwen im silbernen Felde, wegen Veldentz; 3 rothe Sparren im silbernen, und ein silbern und rothes Schach im güldenen Felde, wegen der Grafschafften Ravensberg und Marck; und denn einen breiten schwartzen Balcken im güldenen Felde, wegen der Prætension auf Mörs. Auf diesem Wappen-Schilde stehen 5 offene Helme. Der erste präsentiret den Pfältzischen güldenen Löwen zwischen zwey Büffels-Hörnern; der andere ist ein güldener Adler mit schwartzen Flügeln und blauem Halsbande wegen Jülich; der dritte ist der Clev- und Märckische, und träget einen gecrönten rothen Büffels-Kopff mit einem silbernen Ringe in der Nasen; der vierte ist der Bayerische, und zeiget einen güldenen Löwen zwischen 2 Flügeln mit roth- und silbernen Rauten bezeichnet; und der fünffte ist der Bergische, und trägt einen Pfauen-Schwantz. Die Helmen-Decken sind schwartz, Silber und Gold. Die übrigen Pfaltz-Grafen am Rhein führen fast eben dieses Wappen, nur daß sie in Eintheilung der Felder sich dann und wann von einander distinguiren. Die Birckenfeldische Linie hat noch a part in ihrem Wappen ein roth- und filber-gewürffeltes Feld, wegen der hintern Grafschafft Spanheim; 3 rothe Schilde im silbernen, und drey schwartze gecrönte Adlers-Köpffe auch im silbernen Felde, wegen der Grafschafft Rappoltstein und Herrschafft Hoheneck. Auf diesem Birckenfeldischen Wappen stehen auch 3 besondere offene Helme. Der Veldentzische zeiget einen güldenen Hunds-Kopff mit einem Halsbande; der Rappoltsteinische trägt einen halben Mann im silbernen Habit mit 3 rothen Schilden, und einer silbernen Mütze, daran vorne eine Fasanen-Feder stecket; der Hoheneckische aber hat 2 schwartze Flügel mit 3 silbernen Pilgrims-Stäben.