FeedIntaphernia
GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Intaphernia, Eines Hofrahts des Königs Darii Eheweib, war von einer wunderlichen Resolution. Denn als ihr Gemahl, wegen eines Verbrechens mit allen seinen Kindern, Anverwandten und gantzen Hausgesinde zum Tode verurtheilet ward, brachte es endlich diese Intaphernia, so einig und allein unter ihrem gantzen Hause von solcher gefänglichen Haft befreyet war, durch ihr stetes Bitten und Flehen bey dem König Darius so weit, daß sie sich aus allen ihren Gefangenen denjenigen heraus lesen solte, den sie am liebsten hätte, sodann wolte er selbigen das Leben schencken. Worauff sich dieses wunderliche Weib nicht lange bedachte, sondern ihren Bruder unter allen erkiesete. Als sich nun der König über solche unverhoffte Wahl sehr verwunderte, unn die Ursache von ihr zu wissen begehrte, warum sie nicht ihren Mann oder doch zum wenigsten einen von ihren Kindern das Leben erhielte; gab diese Intaphernia zur Antwort darauff; o! König, wann ich schon meinen Mann und Kinder verliehre, so können mir die Götter einen andern Mann und andere Kinder wieder geben, aber einen Bruder können sie mir nicht wieder geben, denn meine Eltern sind beyderseits vorlängst gestorben. Welche Rede dem König so wohl gefiel, daß er nicht nur den Bruder, sondern auch den ältesten Sohn los gab, der Mann aber und die andern musten ihr Leben hergeben. Herodotus.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 928–929Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6