FeedPigeons sauvages
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Pigeons sauvages, Wilde Tauben, welche unter das Feder-Wildpret gehören; und von den zahmen Tauben zu unterscheiden sind. Unter die wilden Tauben werden gerechnet die Stein-Tauben, welche am Meere wohnen, und von Farbe an den Schnäbeln und Füssen roth, übrigens gantz schwartz sind, wie auch die Holtz-Tauben, die Ringel- oder Bloch-Tauben etc. welche, wegen ihrer angebohrnen Furcht hohe und erhabene Oerter lieben, damit kein schädlies Thier zu ihnen kommen könne, suchen auch darneben immer gerne Höhlen, ja die Holtz-Tauben haben eben davon den Nahmen, daß sie in hohlen Bäumen nisten. Die zahmen aber wohnen gern in Städten bey den Menschen, und lauffen ihnen vor ihren Füssen herum. Von Natur sind die Tauben züchtig und keusch, welches daraus erhellet, indem das einmal gleichsam zusammen verehligte Paar ihre Ehe gantz rein und unbefleckt hält, es seye dann, daß einem sein Ehegatte entrissen worden, in welchem Fall, das überbliebene wieder einen andern annimmt, ja worüber sich nicht weniger zu verwundern, so müssen die Tauben ihre Täubinnen zuvor in keuscher Liebe küssen oder schnäbeln, ehe sie dieselbige betreten, sonsten lassen sich die Weiblein nicht bedecken. Sonsten klebet ihnen Furcht und Einfalt von Natur an, daher auch das Sprichwort erwachsen, daß man von frommen Leuten sagt: Einfältig wie die Tauben, dahero sie auch niemanden den geringsten Schaden zufügen. Jm Türckischen Reiche werden eine Art Tauben gezielet, die an stat der Postillionen sich brauchen lassen, worzu sie nach und nach angewehnt sind, sie haben an den Beinen Ringe, an welchen man ihnen die Briefe fest machet, und sie dann damit fliegen lässet, wodurch man innerhalb wenig Tagen über etliche hundert Meilen Zeitung haben kan.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1781–1783Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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