Meise, Parus, Parix, Ægithalus, Jst ein kleiner Vogel, welcher sich gerne in Wäldern und Gärten aufhält, und in alten holen Stöcken oder Bäumen hecket. Man zehlet derselben sechserley Gattungen. Alle Meisen lecken ihr Fressen, denn ob sie die Nuß-Kerne und anderes schon hacken, so lecken sie doch alsdenn die kleinen Stücklein mit der Zunge hinein. Jhr Aufenthalt ist, wie Eingangs erwehnet, in Wäldern und Gärten: Die Schopff-Meise, wie auch die Wald- oder Holtz-Meise aber bleiben im schwartzen Holtze, da die übrigen all eine das Laub-Holtz lieben. Jhren Strich betreffend, so ist bekannt, daß man die Kohl-Meise, die Holtz-Meise und die Blau-Meise im Strich von einem Gehöltze zum andern, zu hunderten streichen siehet, sie halten aber nicht beysammen, sondern theilen sich, nach Veranlassung der Situation eines Ortes, gar leicht in geringere Hauffen: Wiewol die Holtz-Meise noch mehr die Trennung scheuet, und noch eher unter die Vögel, welche in grossen Hauffen streichen, gezehlet werden könte. Mit den übrigen Meisen aber hat es eine andere Beschaffenheit: Denn die Hanff-Meise streichet gar nicht mit Haufen, auch nicht über Feld, wie iedoch die obbemeldte drey Arten thun, sondern sie gehet dem Gebüsche nach, und folget immer einer der andern, als ob sie einander jagen wolten, und also macht es auch etwas tieffer im Wald die Kupp- oder Schopff-Meise: Die Schwantz-Meise aber pfleget nur bey der Zahl zu bleiben, die ein iedes Paar selbsten gebrütet; doch waget sie sich über weite Felder, allwo sie, wenn sie Bäume antrifft, ein grosses Geschrey macht, und in der Kälte schlagen sich zum öftern zwo, auch mehr Bruten zusammen. Alle Meisen, die einige Schnee- oder Schwantz-Meise ausgenommen, brüten in die Löcher. Die Kohl-Meise brütet gerne in hole Bäume, das Loch mag weit oben oder nahe unten bey der Erden seyn, und machet sich ein sehr grosses Nest von Wollen, Moos und Federn. Die Blau-Meise brütet eben auch auf Bäumen, iedoch nicht gerne niedrig, sondern in einem Löchlein, das hoch oben ist, daselbst träget sie erstlich alles faule Holtz aus dem Löchlein heraus, wenn der Platz gereiniget, fänget sie erst an, was sie zum Nest brauchet, hinein zu tragen; dieses thun zwar andere Meisen auch, doch ist es von der Blau-Meise am leichtesten wahrzunehmen. Die Holtz-Meise brütet selten in Bäumen, sondern in abgehauenen Stöcken, die Löcher haben, und eben also macht es auch die Kupp- oder Schopff-Meise, welche beyde das schwartze Gehöltze gar zu lieb haben, als daß sie solches das gantze Jahr hindurch auf eine lange Zeit verlassen solten. Die Hanf-Meise aber durchwandert alle Gärten, wie die Kohl-Meise, und brütet offt nur in Löchern niedriger Pflaumen-Bäume, also daß die eintzige Schnee- oder Schwantz-Meise obgedachter massen es diesfalls nicht mit ihren Gesellen hält, weil sie in einem Neste, worein sie iedoch auch ein überaus kleines Löchlein macht, zu brüten pfleget. Die Meisen haben vor vielen andern Vögeln dieses besonders, daß sie sehr fruchtbar sind, und auf einmal, sonderlich die Kohl-Meise und die Schnee-Meise, 15 bis 19 Eyer legen, die übrigen bleiben bey 10 bis 12. Weil sie aber gemeiniglich zwey mal brüten, sonderlich, wenn sie das erste mal um die Eyer oder Junge gebracht werden, so kommt doch eine grosse Zahl heraus, und ist daher nicht zu verwundern, daß, zumal die Kohl-Meise, im Herbst mit dem Kloben und sonsten so häuffig gefangen werden. Die Meisen gehen begierig auf die Lock. Jm Frühling werden sie wol etwas schöner, man kan aber doch nicht eigentlich sagen, daß sie ihre Farben verändern: Wie man denn ihnen auch keinen Gesang zuschreiben kan. Sie pflegen sich im Wasser zu baden, und ihren Jungen das Geätz im Schnabel zuzutragen. Jhre Nahrung bestehet in lauter Würmen und Raupen, deren Nester sie auch im Winter zu der Gärtner Vergnügen zerstören. Die Kohl-Meise geniesset zur Herbst-Zeit auch Beere, und flieget Winters-Zeit an das Luder, wenn es nemlich trocken oder gefroren ist, um davon zu nagen. Jn den Zimmern nehmen sie wol mit Hanff und Nüssen vorlieb, aber sie dauren dabey nicht, sondern wollen andere Abwechslungen, von süssem Käse, Semmel in Milch geweicht, Regen-Würme, Mayen-Käfer, und anderes dergleichen Gewürme, zu der Zeit, da man es bekommen kan; sonderlich Heuschrecken, ingleichen Haber-Körner haben, oder aus und einfliegen, wenn sie frisch bleiben sollen: Doch ist dieses nur von den Kohl-Meisen zu verstehen, denn die Blau-wie auch die Hanff- und Holtz-Meisen sind dauerhaffter. Wer eine Kohl-Meise gleich um Jacobi, da sie noch nicht gemauset sind, fänget, und sie anfänglich mit Heuschrecken, süssem Qvarck und frischen Ameis-Eyern fortbringet, bis sie Nüsse und Hauff vertragen kan, der wird erfahren, wie viel besser eine solche in dem Herbst zum Fang und Lock sey, als eine, die man alsdenn erst fänget. Die Meise bringet ihr Geschrey von Natur ohne nachzudichten hervor, befleißiget sich auch auf ihren Gesang nicht, und ist dahero von Natur ungeschickt, von andern Vögeln etwas zu lernen. Sie werden zur Herbst-Zeit mit den Kloben auf den Meisen-Hütten nach der Pfeiffe, oder mit Meisen-Schlägen nach der Lock, oder aber mit Leim-Spindeln in grosser Menge gefangen, und ist ihr Fleisch zwar geringe, aber doch gesund, und für arme Leute eine gute Kost. Die obgedachten 6 Arten sind:
1) Die Kohl- oder Spiegel-Meise, als die grössest- und schönste von diesem Geschlecht, hat einen kohlschwartzen Schnabel, und oben einen kohlschwartzen Kopff, zu beyden Seiten aber ist der Kopff mit den schönsten hellen weissen gezieret; wo der Kopf aufhöret, und der Hals anfängt, und zwar gleich oben von dem Genick an, kommt eine Farbe, die man weder grün noch blau nennen kan, sondern sie ist das Mittel von beyden Farben, und hat doch mehr von grünen als von blauen: Sie reichet den gantzen Rücken hinab bis zum Schwantz, iedoch wird sie, noch ehe der Schwantz angehet, in etwas heller: Der Schwantz selbsten hat oben auf fast eben die Farbe, wird aber zuletzt hinaus etwas dunckel und schwärtzlicht. Unten her gleich an der Kehle fängt sich ein schwartzer Strich an, der zwischen denen zu beyden Seiten sich befindenden unvergleichlich schön hochgelben Federn, bey denen Männlein bis unten hinaus zum Schwantz sich erstrecket, und Fingers breit ist. Die Flügel haben eben solche grün-blaulichte Federn, die Füsse aber sind blau. Das Weiblein ist am Kopff von dem Männlein nicht zu unterscheiden, und das Gelbe am untern Leibe giebt des Männleins Farbe so wenig nach, daß auch darauf nicht zu trauen ist, der unten durchgehende schwartze Strich aber ist nicht so breit, als bey dem Männlein, und erstrecket sich nicht bis hinab zum Schwantz, sondern verlieret sich noch weit oben am Bauch, und macht das Weiblein von dem Männlein also wohl kenntlich. Uibrigens ist die Meise am gantzen Leibe wohl gestaltet, hat mittelmäßig hohe und mit solcher Stärcke begabte Beine, wie ihr nöthig ist, sich überall anhängen, und die Würme zwischen dem Laub, und den Rinden heraus hauen zu können; zu welchem Ende auch der Schnabel, welcher doch nicht länger, als ohngefehr einer Nachtigall Schnabel ist, eine so besondere Stärcke hat, daß die Meise einem Menschen damit auf einen Hieb den Finger blutig hauen kan. Die
2) Blau-Meise, von einigen auch Pimpel-Meise genennet, ist am Kopff blau, wo die Kohl-Meise schwartz ist, und wo diese weiß ist, siehet jene auch weiß: Am Rücken hat sie fast Federn, wie die Kohl-Meise, doch in etwas blaulichter; die Flug-Federn aber und die Schwantz-Federn sind überaus schön blau, hingegen das Gelbe am untern Leibe ist nicht so schön und so hochfärbig, als bey der Kohl-Meise; in der Mitten gehet zwar auch ein blauer, wie bey jener ein schwartzer, Strich durch, er ist aber nicht so breit, als der andern ihrer, und reichet nicht bis hinunter zum Schwantz: Der Schnabel ist bey dieser auch blaulicht, doch vornen hinaus etwas schwärtzlicht, die Füsse aber sind blau. Das Weiblein hat alle die Farben und deren Eintheilung, wie das Männlein, nur daß es nicht so hochfärbig, und also, wenn man es nebst einem Männlein besiehet, leicht zu erkennen ist. Der Blau-Meise Leibes-Grösse ist gar gering, massen sie noch kleiner als ein Zeißlein; im übrigen ist sie am Schnabel, Füssen und andern Gliedern, mit eben den Gaben versehen, welche bey der Kohl-Meise (der sie an Schönheit vorgehet, an Lieblichkeit der Stimme aber gerne weichet) schon gemeldet worden. Die
3) Wald- oder Holtz-Meise, hat gleichfalls einen schwartzen Kopff und weisse Backen, wie die Kohl-Meise, das Weisse aber ist nicht so hell, sondern gleich als wenn es kothig wäre, und das Schwartze gehet zwar, gleich als ob sie ein Ringlein um den Hals hätte, bis an die Kehle, es reichet aber doch nicht weiter, und ist die gantze Brust und Bauch nur mit solchem duncklen Weiß eingenommen; der Rücken und die Flügel sind dunckelgrau, und am Ende der Flug-Federn finden sich, wie bey dem Baumhäcklein und Stieglitzen, weisse Pünctlein, welche man nur siehet, wenn man die Flügel von einander thut. Das Weiblein hat gäntzlich einerley Farbe. An der Grösse ist diese Meise, wie eine Blau-Meise, fast noch kleiner, und am Schnabel, Füssen und andern Eigenschafften, hat sie eben die Gaben, welche die andern Meisen besitzen. Die
4) Hanff- oder Schwartz-Meise, hat ebenfalls einen schwartzen Kopff, von welchen sie aber kein Ringlein um den Hals herum ziehet; die Backen und der gantze Unterleib ist auch dunckel-weiß, iedoch etwas heller als bey der Wald- oder Heltz-Meise; der Rücken ist Aschen-Farbe, so daß er in etwas zur bräunlichen Farbe sich neiget, und also sehen auch der Schwantz und die Flügel aus, welche letztern aber mit keinen Pünctlein versehen sind. Wie viel ähnliches sie mit der Holtz-Meise hat, so wohnet sie doch nicht bey derselben im Schwartz-Holtze, oder doch selten, und nur aussen herum, sondern sie enthält sich lieber im Laub-Holtz bey der Kohl-Meise. Die Grösse ist bey nahe einer Mehl-Schnee- oder Schwantz-Meise gleich, und ihre Eigenschafften an Kräfften im Schnabel und Füssen sind wie der andern Meisen. Die
5) Kupp- oder Schopff ingleichen Haubel-Meise, ist von gleicher Grösse als die Holtz-Meise, hat auf dem Kopff ein kleines spitziges Schöpfflein oder Kuppen von blau- und weiß-gesprengten Federn, und der vördere Theil, von dem Schnabel an bis an solche Kuppe ist von gleicher Farbe, auch ist der Kehle etwas von solcher Farbe mitgetheilet: im übrigen ist der untere Leib bis hinab zum Schwantze dunckel-weiß, und der Rücken samt den Flügeln und Schwantz-Federn sind Maus-Farbe. Sie hat, wie die Hanf-Meise, ingleichen die Holtz-Meise, so gar einerley Farbe mit ihrem Weiblein, dessen Gestalt nicht absonderlich beschrieben werden kan; auch hat sie alle übrigen Eigenschafften mit den andern Meisen gemein. So viel aber den Ort ihres Aufenthalts betrifft, hält sie es mit der Holtz-Meise. Die
6) Schnee-Meise, welche etliche Mehl-Meise oder Pfannen-Stiel, andere aber Zahl- oder Schwantz- wie auch Berg-Meise nennen, ist die kleinste unter allen, hat aber den längsten Schwantz, der bey ihrem kleinen Cörper nicht anders aussiehet, als ob der Vogel daran gespiesset wäre. Sie ist am Kopffe gantz weiß, als ob sie mit Mehle bestäubet wäre, ausser daß sie über den Augen und unten an dem Kinnbacken braune und schwärtzlichte Streifflein hat; der Rücken ist auch mit braunen und schwartzen Flecklein, darunter etwas weisses hervor scheinet, überzogen, und die Flügel sind gleich also; die sehr langen Schwantz-Federn aber sind meistens schwärtzlicht, und nur mit zweyen weißgestriemten Federn untermischet. An der Grösse wird diese Meise schwerlich einen Zaunkönig übertreffen, so gar ihr schwartzes Schnäbelein ist viel kürtzer, und dennoch hat sie mehr Stärcke darinne, als der Zaunkönig. Wie klein dieser Vogel sey, kan man daraus abnehmen, daß seine Eyer, deren er dreyzehen und mehr auf einmal in seinem Neste ausbrütet, nicht grösser sind, als die größte Art von den gemeinen Erbsen. Man darf aber sein Nest nicht in holen Bäumen und Stämmen suchen, wie aller andern Meisen, sondern auf starcken an dem Stamm anstehenden Aesten; daselbst träget er so viel Moos und Federn, mit welchen das Nest inwendig ausgemacht ist, zusammen, daß man es nicht in einen Hut fassen kan; und in solchen zusammen getragenen Klumpen, der so verwunderlich geschlichtet ist, daß es eine Menschen-Hand nicht nachmachen kan, macht diese Meise ein kleines Löchlein, zu dem sie kaum hinein kriechen kan; daher abzunehmen, weil es inwendig von nichts als Hüner- und andern Federn bereitet ist, wie warm es seyn müsse; doch siehet es auf dem Baum nicht anders aus, als wie ein Büschelein Moos, der vor sich selbst allda gewachsen.