FeedPurgieren der Pferde
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Purgieren der Pferde, Geschiehet entweder alljährlich um eine gewisse Zeit præservative und zur Vorsorge; oder bey gewissen ihnen zustossenden Kranckheiten zur Cur und Abhelffung derselben. Von diesem letztern ist an behörigen Orten das nöthige gemeldet worden; also daß nur von jenem das behörige zu gedencken. Es geschiehet aber das Purgieren zur Vorsorge vornemlich mit der Gras-Stellung oder Gras-Fütterung im Frühling, da man nemlich, so bald das Gras einer guten Spannen hoch worden, (jünger kan es zwar auch wohl paßiren, aber nicht älter) im April oder Anfang des Mayen, denen Pferden, nachdem sie acht Tage zuvor das Antimonium crudum, (für iedes Pferd anderthalb Qvint) dreymal genossen, solches Gras vorleget, dergestalt, daß man nicht mehr Gras früh abschneiden läßt, als man des Tages über verfüttern kan, die ersten drey Tage ihnen wenig, aber doch successive ie länger ie mehr giebet, und sie also vierzehen Tage darinnen stehen lässet. Jhr ordinair Futter soll in eingeweichter Gerste bestehen, doch soll man ihnen derselben nicht überflüßig, auch nicht so viel als sonsten ihr gewöhnliches Futter in sich hält, hingegen aber darneben Gras gnug vorgeben. Die letzten sechs Tage muß man iedem Pferd täglich eine Hand voll frische Haselwurtz samt den Blättern, frühe, ehe man ihnen ihr Futter vorschüttet, zu fressen geben lassen, und darneben wöchentlich drey oder viermal des Abends in der Kühle eine kleine Stunde spatzieren, aber in kein Wasser führen lassen. Nach dieser Gras-Cur soll man ihnen die Mäuler putzen, den Staffel stechen, das Maul und Zungen wacker mit Eßig, Knoblauch, Saltz und Pfeffer abreiben, ihnen noch etliche Tage Gersten, aber nur ein klein wenig angefeucht reichen lassen, damit sie des harten Futters wieder gewohnen. So bald hernach der Mond im Abnehmen, soll man 2 Tage nach einander iedem drey Qvintlein Antimonium crudum, oder anderthalb Qvintlein Crocum Metallorum geben, und sie also wie zuvor stehen lassen. Das Trincken unter währender Gras-Stellung soll nicht kalt, sondern einen halben Tag im Stall vorhero gestanden seyn, und allemal den Pferden etwas schönes Mehl mit ein wenig Agarico oder Lerchen-Schwamm darunter gerühret werden. Man kan sie auch mit grünen Bohnen, wo man deren viel hat, purgieren, sie müssen aber etwas welck seyn, und die ersten Tage gar sparsam gegeben werden. So bald sie anheben grün zu zirchen, so giebt man ihnen des Morgens ein wenig Gerste dazu. Das Geträncke soll warm und mit Kleyen vermischet seyn. Man soll auch diese Cur über neun Tage nicht gebrauchen, sondern alsdenn wieder abbrechen, daß ein iedes Pferd in dreyzehen Tagen wieder in völligem trockenen Futter stehe. Den funffzehenden Tag darnach soll man iedem Roß eine Hals- oder Spor-Ader auf ungleicher Seiten schlagen, und es dabey täglich, wie bereits oben erwehnet worden, spatzieren führen. Einige lassen auch ihre Pferde iedes an einem Pfahl frühe auf das Gras binden, und so bald die Hitze kömmt, in den Stall, des Abends aber wieder ein paar Stunden hinaus führen, und iedesmals an stat des Futters denselben eingeweichte Gerste mit einer Hand voll Haselwurtz geben, lassen sie also drey Wochen lang gehen, entziehen ihnen folglich das Gras, geben ihnen wieder dürr Futter, und im abnehmenden Monden darauf drey Tage nach einander iedesmal ein halb Loth Antimonium oder anderthalb Qvintlein Hepar Antimonii ein. Sonsten ist auch folgendes eine gute Pferde-Purgantz: Man nimmt Mangolt-Blätter, siedet sie wohl in Milch, und thut sie denn heraus, bindet das Pferd mit dem Kopff in die Höhe, geußt ihm die abgekochte Milch ein, und lässet es vier Stunden ohne Futter und Geträncke stehen; darnach nimmt man häselne Zäpflein, und jung häseln Laub, zerstößt es zusammen, und giesset geringen Wein daran, läßt es wohl sieden, giebt solches, wenn es lau worden, ihm ebenfalls ein, decket das Pferd wohl warm zu, und reitet es darnach ins Feld, so wird es sich bald reinigen; darnach kan man ihm ein ziemliches Futter geben. Wenn man Rettig-Kraut, Rüben-Kraut, und die Wurtzeln von den gelben Wasser-Lilien, von iedem so viel man will, unter einander hacket, oder die unreiffen Wicken abmähet, und den Pferden zu fressen giebt, sollen sie auch wohl purgieren, als welches auch die mitleren Rinden von Aspen-Holtz thun, wenn man sie in Wasser siedet, und dasselbe den Pferden zu trincken giebet.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1842–1845Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sport & Spiel 6