Reiger, Raiger, Reiher, Fisch-Reyher, Jst ein Vogel, der dem Schnabel, langen Hals, und Füssen nach dem Storche ziemlich gleich kommt, und bey der Fischerey so grossen Schaden, als der Fisch-Otter verursachet. Es giebt deren verschiedene Gattungen, welche man am meisten und ersten gewahr wird, wenn sie Heröst- und Frühlings-Zeit ihren Zug thun; und sind erstlich die grossen, welche licht-grau auf dem Rücken, am Leibe aber weiß mit schwartzen Flecken eingesprenget sind, diese haben einen ungemeinen grossen, langen, scharffen, rothen Schnabel, gelbe Füsse und einen weiten Kropff, welcher ein gutes Kannen-Maaß hält, sind auch noch halb so groß als die andern Arten Reiher. Ferner findet man kleinere, welche gantz dunckel-grau auf den Rücken, am Kopffe aber schwartz sind, auch einen schwartzen Schnabel, und blaue kurtze Füsse haben. Diese beyde Arten haben auf den Köpffen ihre schöne Federn, gemeiniglich zwey oder drey, welche ihnen, zumal im Fliegen, hinterwerts auf dem Kopffe aufliegen. Sie horsten beyde nicht hier zu Lande. Die dritte Art aber sind die bekannten grauen Reiger, welche bey uns auf hohen Bäumen, und mehrentheils an sumpffigten und morastigen unweit von Seen und Flüssen gelegenen Oertern zu horsten, und gemeiniglich drey Junge auszubringen pflegen. Die Bäume, darauf sie horsten, verdorren von dem hitzigen Mist, den sie darauf fallen lassen. Jhre Nahrung bestehet in Fischen, an denen sie grossen Schaden thun, denn sie gehen bis an den Bauch ins Wasser, und fangen die Fische, die in grosser Menge auf sie zu schwimmen, häuffig weg. Ob die Fische aus einer eingepflantzten Zuneigung so gerne um die Reiger sind, oder ob sie aus Haß auf dieselben, als ihre Feinde losgehen, läßt man dahin gestellt seyn, gewiß aber ist, daß die Fischer, wenn sie Reiger-Fett unter den Köder nehmen, den sie an die Angeln stecken, oder in die Reussen hängen, solcherstalt mehr Fische, als durch andere Köder fangen sollen. Jn Ungarn giebt es Reiger, die fast gantz weiß, aber etwas kleiner, als die gemeinen Reiger, sonsten aber an der Gestalt ihnen gantz gleich, aber dabey sehr träg und langsam sind, und wenn sie Ungewitter vermercken, sich so hoch in die Lufft und über die Wolcken schwingen, daß man sie aus dem Gesichte verlieret. Diese sind vor andern sehr gefräßig, verschlucken auch Muscheln, und wenn sie mercken, daß sie sich im Kropffe von der Wärme aufgethan, geben sie solche wieder von sich, und suchen erst das Fleisch heraus. Die Reiger sollen als schadhaffte Vögel an Teichen, sonderlich wo Brut ist, nicht gelitten, sondern wie man kan und mag weggepürschet werden. Jn Sachsen werden sie zur Nieder-Jagd gerechnet, in Oesterreich nnd anderer Orten aber zur Lustbarkeit grosser Herren geheget, und meistentheils im Frühling sehr kostbar gebaitzet, zu welcher Baitze gemeiniglich nur Ger-Falcken, oder Blau-Füsse genommen werden. Das Reiger-Fleisch schmeckt starck nach Fischen, absonderlich der Alten, darum es nicht wohl zu essen; wiewol die jungen und halbwüchsigen Reiger wegen ihres zarten Fleisches in Franckreich für ein Leckerbißlein gehalten werden. Das Fett wird, wie obgedacht, von den Fischern unter die Köder, ausser diesem aber auch in der Artzney äusserlich zu Linderung der podagrischen Schmertzen, Benehmung der Taubheit und Dunckelheit der Augen gebraucht.