FeedSau-Fang, Sau-Garten
ErdkundeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Sau-Fang, Sau-Garten, Jst ein ziemlich grosser mit starcken eichenen Zaun-Pfählen eingefangener Platz, in einem grossen Walde, worinne sich die wilden Sauen auf vorhergehende Kirrung selbst fangen, und nicht wieder zurücke heraus können. Ein solcher Sau-Garten wird folgender Gestalt angeleget: Wenn man einen Ort im Walde hat, allwo in der Nähe herum Erd-Mast, warme Brücher und grosse Dickigte, Ameis-Hauffen, Farren-Kraut und allerhand Wurtzeln zu finden, sonderlich auch warme Qvell-Wasser vorhanden, und daselbst alles dichte mit Hasel-Stauden, Buchen und Eichen gantz wilde verwachsen ist, und düster aussiehet, so kan man daselbst einen Sau-Garten, so groß man ihn haben will, oder es die Gelegenheit des Orts und der Gegend leidet, ins Gevierte anlegen, und solchen mit einem starcken eichenen Zaune vermachen, auch oben mit zähen festen Reis verflechten. Wo die Flügel zusammen gehen, muß auswendig ein flacher Berg aufgeführet, inwendig aber die Helfte des Zaunes und der starcken eichenen Plancken glatt gehobelt, flach und abhängig seyn. Damit die Sauen diesen Aus- und Eingang gewohnen, müssen allezeit über diesen Einsprung Brücken von Schaal-Holtze, dem flachen Berge gleich geleget, und dieselben, um sie dahin zu gewöhnen, mit Eicheln oder Buch-Eckern auf die Flügel gekirret werden, in den Gärten aber wird Maltz, Erbsen, oder ander Getreide und wild Obst gestreuet, und auf solche Weise lassen sie sich leichtlich gewöhnen. Wenn man hierauf des Herbstes, so viel möglich, Mast gesammlet, und der Sauen Wechsel verspüret, thut man die Brücke hinweg an einen besondern Ort, und erhält in dem Garten zwey mäßige erzogene wilde Bachen, welche ihre Wilderungen starck von sich geben, zumal die Schweine ohnedem hitzig und geil sind. Wenn nun ein gantz Rudel Sauen über die Flügel wechfeln, und die gestreueten Eicheln finden, gehen sie den Flügeln nach zum Einsprung, und wenn sie auf den Berg kommen, und die andern Bachen hören und wittern, auch vor sich einen niedrigen Absprung sehen, springen sich hinein, und wenn eines den Anfang macht, folgen die andern alle nach; sie können aber nicht wieder zurücke und heraus, weil sie auf den eichenen Pfosten, bey dem Einsprung, nicht fussen können, sondern abgleiten und also gefangen bleiben müssen. Sollen sie zu fernerer Jagd-Lustbarkeit lebendig eingefangen werden, kan man nur von einer Ecke zu der andern einen Flügel machen, das Sau-Netze stellen, und dieselben also lebendig einfangen. Doch muß solcher Ort von allem andern Jagen und Schiessen gäntzlich verschonet seyn, weil sonst alle angewandte Mühe vergebens seyn dörffte. Jnwendig muß man vor die eichenen Pfosten einen Graben von zwey Ellen tief machen, und ihn mit Sträuchern zum Blendwerck bestecken.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2035–2037Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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