FeedBären-Fang
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Bären-Fang, Jst eine künstlich-zugerichtete Falle, darinnen sich die Bäre selbsten fangen. Man macht nemlich in Wäldern, wo man Bäre vermuthet, eine Grube, sieben bis acht Ellen ins Gevierte, und acht Ellen tieff; diese wird eine halbe Elle dick mit beschlagenem Holtze nach der Höhe gantz glatt ausgeschälet, so wie die Spund-Pfäle fest in einander gefüget werden, und inwendig glatt behobelt, daß der Bär mit den Klauen nicht hafften kan, unten wird der Boden ebenfalls feste verspündet, daß sich kein Thier durchgraben könne. Oben legt man vier glatte, starcke und runde Balcken auf den Seiten darüber, die etwas über den Fang weggehen, welche mit Schaal-Holtz, Reiß und Erde bedeckt, und dem andern Erdreich gleich mit Laub und Streuling verwildert wird, daß die Bären und anderes Wild ihren gewöhnlichen Wandel und Weg ohngehindert paßiren mögen. Dieses noch mehr zu befördern, verhauet man unvermerckt von Windbrüchen einen Creutz-Zaun und verlegt ihn mit Reiß-Stangen. Nach etlichen Monaten, wenn das Wild über die gegrabene Grube ihren Gang genommen, öffnet man den Bären-Fang gantz rein, leget kleine schwache Stangen darüber, auf die runden Balcken, und wieder schwach Reiß oder Tangel-Aestlein darauf, verwildert alles mit Laub oder Streuling, dem übrigen Erdboden ähnlich. Mitten darauf setzet man einen Topf mit Honig, welcher mit seinem Geruch den Bär an sich locket, aber auch zugleich mit demselben in die Grube purtzelt. Will man den Bär lebendig heraus fangen, muß an der Seite des Fanges ein viereckigt Loch anderthalb Ellen ins Gevierte bey Zurichtung des Fanges unten durchgehauen werden, daß ein Bär durchkriechen kan; diese Röhre muß 3 Ellen lang feste geschalet seyn: inwendig sowohl als auswendig wird eine Fallthüre angebracht, von starcken eichenen Pfosten 5 Zolle dick, mit eisernem Bleche wohl beschlagen. An die Fang-Röhre wird der Bären-Kasten mit 4 starcken Ringen durch Ketten fest angegemacht. Wenn nun die Fall-Thüre aufgehoben ist, und der Bär, den man mit einer Stange von oben stösset, das Loch gewahr wird, suchet er dadurch einen Ausgang, da sodenn die Fall-Thüre hinter ihm zugelassen, und wenn er in dem Kasten ist, dieser gleichfalls zugemacht wird. Alsdenn lädet man ihn auf, reitelt ihn fest an, und fährt ihn weg wohin man will. Der Eingang zur Seiten nach der Röhre, wo der Kasten gestanden, wird mit altem Holtz und Reißig verworfen, damit es nicht zu mercken sey. Nach der Grube wird nur in 3 bis 4 Tagen gesehen, und steigt man etwan 50 Schritte davon auf einen Baum; erblickt man ein Loch, so hat sich was gefangen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 99–100Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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