FeedWürtzburg
ErdkundeRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Würtzburg, Die Hauptstadt des Bißthums Würtzburg, hat eine berühmte Universität, welche Anno 1403 aufgerichtet worden, und ausserhalb der Stadt lieget auf einem hohen Berge der sogenannte Frauenberg, ein schönes, weites und festes Schloß, darinne die Bischöffe residiren, hat darbey einen ansehnlichen Marstall, grosse Reitbahn, gewaltiges Zeughaus, und einen tieffen Keller, worinne die allerältesten Weine aufbehalten werden. Allhier wurde Anno 1235 an Allerheiligen von der Ritterschafft in Francken der vierzehende Turnier gehalten, wobey 11 Fürsten, als Pfaltzgraf Ludwig am Rhein, und Hertzog in Bayern, Marckgraf Albrecht zu Brandenburg, Hertzog Otto zu Braunschweig und Lüneburg, Hertzog Friedrich in Böhmen, Hertzog Heinrich in Oesterreich, Hertzog Johannes in Lothringen, Landgraf Ludwig in Thüringen, Hertzog Johannes in Mecklenburg, Hertzog Heinrich zu Brabant, Marckgraf Hermann zu Baden, Hertzog Niclas zu Warle, Burggraf Friedrich zu Nürnberg, Graf Wilhelm von Holl- und Seeland, und Fürst Berchtold zu Henneberg etc. 34 Grafen, 25 Freyherren, 46 Ritter und 138 Edle. Ferner wurde zu Würtzburg Anno 1479 am Sonntage Palmarum der acht und zwantzigste Turnier von der Fränckischen Ritterschaft gehalten. Dabey 1 Fürst, 6 Grafen, 9 Freyherren und 146 Edle zugegen waren. Bey diesem Turnier hat man unter andern einen Geyer, einen von Stein, und einen von Steinau ausgesellet, und ist einer von Rabenstein, ein Stieber, einer von Hutten, ein Gebsattel, ein Sternberg, ein Stauffenberg, und ein Schencke, weil ihre Eltern in 50 Jahren keinen Turnier besuchet, zu solchem nicht gelassen, hingegen sind empfangen und geschlagen worden, einer von Westerstetten, von Freyburg und Jacob von Andlau, ein Ritter. Das Stifft ist eines der reichesten und mächtigsten in Deutschland, dessen Bischoff unter das Ertz-Stifft Mayntz gehört, ein unmittelbarer Reichs-Stand ist, und den Titel eines Hertzogs von Francken führet. Jm Wappen hat er ein roth und Silber getheiltes Schild, darinne aus dem untersten silbernen drey silberne Spitzen in das obere rothe Feld empor steigen, wegen des Hertzogthums Francken; ein roth und silber qvadrirtes Fähnlein an einer güldenen Lantze, wegen des Stiffts Würtzburg.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2340–2342Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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