Schild, Scutum, Jst das erste Haupt-Stück eines Wappens, worinne die eigentliche Wappen-Figuren erscheinen, und von solcher Wichtigkeit, daß die Wappen gar oft nur allein aus dem Schilde bestehen, und ohne alle Helme auf dieser und jener Sache präsentiret werden. Jhrer äusserlichen Gestalt nach werden sie sehr unterschiedlich befunden. Denn man siehet dreyeckigte Wappen-Schilde, und zwar so, daß 2 Winckel oben, und die Spitze unten stehet; andere in Gestalt eines Hertzens, wieder andere, da die Rände einiger massen ausgehölet sind. Den Jtaliänern will man Oval-Schilde zueignen, ob sich solche gleich nicht bey ihnen, wol aber in vieler Bischöfe Wappen finden. Die Frantzosen sollen vor alters eckigte im Gebrauch gehabt haben, und ihre Damen pflegen ihre Wappen in Rautenförmigen Schilden zu präsentiren. Man hat auch Exempel, da der Rand des Schildes mit allerhand krausen Zierathen, so die Franzosen Cartouches nennen, gemacht worden; welches aber nur eine blosse Phantasie der Mahler und Bildhauer ist, die sich eingebildet, es stünde nicht fein, wenn der Rand des Schildes so bloß gelassen würde. Heut zu Tage macht man sie meistens auf zweyerley Art, daß der Schild oben 2 Winckel hat, und unten die Winckel ausgerundet, in der Mitte des Fusses eine Spitze gemacht wird, dagegen andere die Spitze weg lassen. Die Stellung der Wappen belangend, so wurden dieselben ehedessen gemeiniglich gelehnt, das ist, gegen die rechte Seite erniedriget, und der Helm auf den lincken Winckel gesetzt; heut zu Tage aber macht man sie meistens aufrecht. Obgleich die in dem Schilde befindliche Wappen-Figuren so viel und mancherley, daß sie fast nicht auszusprechen sind; so kan man sie doch in gewisse Classen bringen. Denn es giebt I) Herolds-Figuren, welche wegen ihres schlechten und ungekünstelten Ansehens ihren Ursprung von den alten Herolden zu haben scheinen. Die Frantzosen nennen sie Pieces honorables, wir Ehren-Stücke. Sie heissen auch eigenthümliche Wappen-Figuren, weil sie der Wappen-Kunst, so zu reden, gantz eigen sind, und sonst nirgends in solchem Verstande gebraucht werden. Unter solche Herolds-Figuren rechnen einige: die Schildes-Theilungen, des Schildes Haupt und Fuß, die Balcken, die Pfäle, die Sparren, die Creutze, die Einfassung, den Winckel, die Schildlein, die Rauten und Schach, die Wecken oder Spindeln, die Gitter und Netze, die Spitzen, die Ringe oder Reiffe, die Kugeln, die Zettel und einige ausserordentliche Figuren. II) Gemeine Figuren, welche von Dingen hergenommen, so (α) entweder die Natur hervorgebracht hat, und diese haben entweder 1) ein Leben, als a) Figuren vernünftiger Dinge, als von Menschen, Engeln etc. b) unvernünftiger Dinge, und zwar von fliegenden, vierfüßigen, schwimmenden oder kriechenden Creaturen; c) Figuren von Gewächsen, als Bäume, Früchte, Blumen etc. 2) oder haben kein Leben, und zwar von Dingen, so oben am Himmel und in der Luft, als Sonne, Mond, Sterne, Regenbogen, Wolcken etc. oder unten auf Erden sind, als die Erdkugel selbst, Berge, Flüsse, Landschaften etc. (β) oder die Kunst hervorgebracht, wohin Häuser, Kleider samt allem Zugehör, Hausgeräth mancherley Arten, Kriegesgeräthe vielerley Gattungen und allerhand Characteres und Zeichen etc. gehören.