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GeschichteRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Wappen, Jst nach der heutigen Beschaffenheit ein Kennzeichen, so aus Schild und Helm bestehet, in und auf welchen allerhand Figuren von unterschiedlicher Art und Farben zu sehen, und von der hohen Obrigkeit demjenigen erblich, und mit allen von dem Gebrauch eines Wappens abhangenden Gerechtsamen, beygelegt wird, welcher durch tapfere Thaten, oder sonst durch rechtschaffene Dienste um das gemeine Beste sich verdient gemacht, und dieses zu dem Ende, damit sowol gute gute Verdienste belohnet, und andere zu gleichförmiger Bemühung möchten aufgemuntert werden, als auch, daß durch diese Ehren-Zeichen eine Person, und eine Familie von der andern könte unterschieden werden. Was ihren Ursprung belanget, so ist wol gewiß, daß die Lehn-Wappen die allerältesten, und zu den Zeiten Henrici Aucupis bey Gelegenheit der durch ihn erneuerten und nachgehends recht in Gang gebrachten Turniere aufgekommen sind; iedoch scheinet vor dem zehenden Jahrhundert noch keines erblich und beständig gewesen zu seyn. Denn vor der Zeit waren die Zunahmen noch nicht im Gebrauch, und fing der hohe und niedere Adel im eilfften Jahrhundert erst an, sich von ihren Lehn-Gütern zu schreiben. Von solchen Zeiten nun kam die Gewohnheit auf, daß wie die Besitzer von ihren Lehnen sich benahmet, also auch, die Lehn-Wappen mit der Zeit zu Familien-Wappen worden. Anfangs wurden die Wappen nur auf den Schilden gebraucht; nachgehends zog man sie in mehrere Achtung, und brauchte sie auch in den Sigillen und Müntzen; man zierte die Grabstäte der Verstorbenen in den Kirchen mit Fahnen und Wappen, und machte eine Parade damit etc. Daher denn grosse Herren, wenn sie iemanden ein Amt oder Würde verliehen, oder sonst treue Dienste belohnen, oder sonst ihre besondere Gnade und Gunst bezeigen wollen, denselben entweder sein gewöhnliches Wappen mit ein und andern vermehret, oder ihm gar ein neues ertheilet.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2306–2307Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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