Schnepfe, Rusticula, Die Wald- oder Holtz-Schnepfen sind in der Grösse eines nicht völlig ausgewachsenen Rebhuns, sehen aber wegen der langen Flügel grösser aus. Am Kopfe und Rücken sind sie gantz braun, mit schwärtzlich gestreifften Federn untermischet. Am untern Leibe haben sie die Farbe eines Habichts, wiewol gantz anders eingetheilet. Jhr Kopf ist wider der andern Vögel Art gantz schmal, und sonderlich bey den Waldschnepfen kaum eines Fingers breit, und stehet ihnen dennoch wohl. Der Schnabel ist Fingers lang, und eines Daumens breit vom Ende mit einem Gewerbe versehen, daß sie ihn daselbst wie eine Drat-Zange aufthun und wieder zudrücken können, welches man bey keinem andern Vogel antrifft, und wissen sie damit die in den Sümpfen und Früschen befindliche Kräuter-Wurtzeln geschickt zu ihrer Nahrung heraus zu ziehen. Der Hals ist lang, die Beine hoch und der Schwantz kurtz. Sie kommen im Frühlinge, bleiben aber nicht lange, und ist ihr Zug, wenn der Wind vom Abend wehet, schleunig und in wenig Tagen vorbey: denn sie kommen wider anderer Vögel Art mit dem Winde, und lassen sich denselben gerne treiben und fort wehen. Zu solcher Zeit aber sind sie mager und ungeschmack. Jm Winter siehet man sie wenig, findet auch selten den Ort, wo sie brüten; ihre Brut geschiehet an der Erde, und haben sie meistens drey bis vier Junge, welche wie die Rebhüner von einer duckenden und sich verbergenden Art sind. Jm Herbste, wenn das Laub fället, ziehen sie des Nachts weg, da sie, wenn sich Tag und Nacht scheidet, vor die Höltzer fallen und sich mit Nahrung versehen; sie sind im Fluge wohl zu schiessen, weil sie im Rietgras und kleinem Gesträuche so fest liegen, daß sie sich fast mit Füssen treten lassen, ehe sie aufstossen. Man fänget sie auch mit Schleiffen und Steck-Garnen, absonderlich aber mit hohen Netzen oder Pantieren. Eine noch grössere Art Waldschnepfen, mit weissem Bauche und kürtzerm Schnabel, hält sich in grossen Höltzern auf, und wird selten gefunden. Die
Moos- oder Riet-Schnepfen sind jenen an Delicatesse und Farbe gleich, aber geschwinder in ihrem Fluge; an Grösse gleichen sie den Wachteln. Sie ziehen wie andere Vögel weg, nachdem sie hier zu Lande in grossen Früschen und Morästen vier bis fünf Junge ausgebracht. Die
Haar-Schnepfe ist etwas kleiner, im übrigen aber der vorigen in allen gleich. Die
Wasser- oder Pful-Schnepfen sind am Leibe nicht grösser als eine Amsel, auf dem Rücken völlig Aschenfarb, am Bauche weiß, mit einem schwartz-bräunlichen Ringe; über der Brust und um die Augen herum sind sie ein wenig weißlich, haben lange dünne Füsse und einen nicht gar langen Schnabel. Sie halten sich an Flüssen und Bächen auf sandigen Boden auf, und haben ein so zartes und niedliches Fleisch, daß es ihnen an nichts, als an der Grösse mangelt, den Wald-Schnepfen vorgezogen zu werden. Noch eine andere Art, so dieser fast gleich, ausser daß sie gesprengte Federn hat, hält sich lieber auf frischen mit Wasser-Adern durchnetzten Wiesen, als an Flüssen auf.