FeedKibitz, Kybitz, Gibitz
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Kibitz, Kybitz, Gibitz, Jst ein Vogel in der Grösse, wie eine Schnepff, auch wie derselbe hochbeinigt und kurtzschwäntzig, er hat auch einen langen Hals, iedoch ist sein Schnabel bey weiten nicht so lang, als einer Schnepffen Schnabel, und viel dicker, auch an der Farbe nicht braun, sondern schwartz. Der gantze Vogel ist schwartz und weiß, doch ist das Schwartze mehr abgeschossen und nicht so gläntzend schwartz; so ist auch der Rücken grünlich-spiegelnd, auf dem Kopf hat er etliche empor stehende schwartze Federn gäntzlich wie die Federn oder Cronen auf eines Pfauen-Kopff. Es hält sich dieser Vogel allezeit an sumpffigten Oertern auf, und lässet sich in dem Strich bey grossen Schaaren sehen, im Wieder-Strich aber ist er einer mit von denen ersten, welche, so bald der Sumpff vom Froste offen wird, zurücke kommen. Und ob er gleich sonsten ein sehr vorsichtiger und scheuer Vogel ist, welcher zur Herbst-Zeit nicht wohl an sich kommen lässet, so ist er doch in seiner Brut-Zeit aus Neidsucht so kühne, daß er Menschen und Hunden fast auf den Kopff flieget, und dahero im Fluge wohl zu schiessen ist. Er bringet drey bis vier Junge, nachdem er vierzehen Tage gesessen hat, aus, und ziehet dieselben mit allerhand in Sümpffen befindlichen Gewürme auf. Aus denen Kibitz-Eyern, welche grün und mit schwartzen Tüpffelein besprenget sind, wird eine besondere Delicatesse gemacht, sie müssen aber noch vorher, ehe sie besessen worden, gefunden werden.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1212–1213Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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